GESELLSCHAFT: Todesliste im kriminellen Untergrund entdeckt

Den Haag, SW/NRC/VK, 27. November 2020

Im Kokaingeschäft der niederländischen Unterwelt rumort derzeit ein Streit zwischen zwei verfeindeten Lagern. Wie das NRC Handelsblad erfahren hat, ist der Polizei seit diesem Sommer eine Todesliste bekannt, zu deren insgesamt 18 Namen unter anderem auch die eines Staatsanwalts und eines inzwischen ermordeten 25-jährigen Mannes zählen. Die Ermittlungen stellen eine Querverbindung zu einem anderen aufsehenerregenden Fall her.

Der Konflikt zwischen den Parteien sei laut der Zeitung zu Beginn des Jahres entstanden, als der Kopf einer kriminellen Gruppierung, deren Einnahmequelle die Verschiffung von Kokain in die Niederlande ist, sich um einen Teil seines Geldes durch einen Nebenmann betrogen gefühlt habe. Namentlich gehe es um Roger P. und den Iraner Ali, der von Dubai aus für die finanziellen Geschicke zuständig gewesen sein solle und dabei etwa 100 Millionen Euro gestohlen habe.
Der Vergeltungsschlag habe sodann nicht lange auf sich warten lassen, indem Ali entführt worden sein solle, woraufhin eine gewisse Menge des Geldes zurückgewandert sei. Aus seiner offensichtlichen Verärgerung heraus habe Ali jedoch als Reaktion eine Todesliste verfasst, die nicht nur das Ableben P.‘s und seiner Handlanger, sondern auch weiterer Personen, wie eines niederländischen Staatsanwalts, der an Ermittlungen gegen Ali beteiligt war, vorsehe.

Aufmerksam seien die Strafverfolgungsbehörden durch die Liquidierung des Rotterdamers Ebrahim (sein Anwalt bat um die Auslassung seines Nachnamens) am 10. Mai dieses Jahres auf offener Straße geworden. Ein Zeuge in den Untersuchungen zu der Tat habe ausgesagt, dass Ebrahim, wie auch er selbst, auf der besagten Liste stehen würden, bzw. gestanden hätten. Ebrahim, der sich über die Gefahr um sein Leben bewusst gewesen sein solle, galt wohl als Vertrauter von Roger P. In seinem Auftrag habe er vor seinem Tod an verschiedenen Orten circa 50 Millionen Euro versteckt.

P. selbst wird als einer der größten Drogenverkäufer der Niederlande angesehen. Sein Spitzname „Piet Costa“ verweist auf die jahrelange Schmugglertätigkeit in lateinamerikanischen Ländern wie Costa Rica, Kolumbien und Panama. Seitens des Justizministeriums wird er als Auftraggeber für den Bau der sogenannten „Foltercontainer“ in Noord-Brabant beschuldigt, deren spektakuläre Entdeckung im Sommer bereits für einige Aufmerksamkeit sorgte. Wie Ausschnitte aus einem Chatverlauf gezeigt hätten, seien die Container auch für Ali vorgesehen gewesen. P. wurde dafür und für seine Verwicklungen in den Kokainhandel im September festgenommen.

Ali und andere Rivalen des inhaftierten P. sind weiter auf freiem Fuß. Wie das NRC Handelsblad vermeldet, das angibt, sich auf vertrauenswürdige Quellen zu berufen, ist man bei der Polizei vor weiteren Straftaten besorgt. Zuletzt habe es erst Ende Oktober Schüsse auf einen mutmaßlichen Helfer P.‘s gegeben.