WIRTSCHAFT: Trotz allgemeinen Negativtrends: Rasante Erholung der Ökonomie im dritten Quartal

Den Haag, SW/NOS/NRC/VK, 13. November 2020

Nach dem historischen Einbruch der niederländischen Ökonomie im zweiten Quartal des Jahres ist ein beachtlicher Umschwung eingetreten, der ein beispielloses Wachstum für die Monate Juli, August und September zur Folge hatte. Insgesamt hinkt die aktuelle Wirtschaftslage ihrem Pendant aus dem Vorjahr aber weiterhin hinterher.

Das niederländische Bruttonationalprodukt (BNP) schrumpfte im zweiten Quartal 2020 noch um 8,5 Prozent. Bezogen auf diesen Wert konnte es allerdings in den darauffolgenden drei Monaten um ganze 7,7 Prozent in die Höhe schießen, wie das Centraal Bureau voor de Statistiek, die Statistikbehörde der Niederlande, erklärte.

Dass sich die Zahlen im Sommer in diesem Maße verbessern konnten, lag vor allem an dem gesteigerten Konsumverhalten der Bevölkerung – sie ist für mehr als die Hälfte der Rekonvaleszenz verantwortlich. In Verbindung mit den gelockerten Corona-Beschränkungen und den damit geöffneten Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen gaben die Haushalte 9 Prozent mehr aus. Tatsächlich profitierte aber insbesondere der Einzelhandel, denn ein großer Teil des Gelds floss in Lebensmittel, Wohnungseinrichtung oder Elektrogeräte. Neben den Bürgern investierten auch der Staat und die Betriebe mehr, ihre Ausgaben stiegen um etwa 6 Prozent, während Import und Export mit 6,8 bzw. 8,6 Prozent Wachstum in die Höhe schnellten. Die bedeutendsten Branchen waren hier der Handel, der Transport, das Gastgewerbe und das Gesundheitswesen.

Obwohl die Zahl der offenen Arbeitsstellen seit Beginn der wirtschaftlichen und pandemischen Krise insgesamt um 30 Prozent gesunken ist, erhöhte sich die Gesamtheit der Arbeitsstunden gegenüber dem zweiten Quartal um knapp 5 Prozent im dritten Quartal. Dies hatte nicht nur eine Erhöhung der Jobangebote zur Folge, es bewirkte auch, dass 164.000 der ursprünglich 300.000 verlorenen Beschäftigungen zurückerlangt werden konnten. Besonders im Gesundheitssektor und bei Arbeitsvermittlungen entstand neuer Personalbedarf.

Trotzdem befinden sich die Niederlande zurzeit in einer konjunkturellen Abschwungphase. Deutlich wird dies an der relativ hohen Arbeitslosigkeit, dem zurückhaltenden Geschäftstreiben und der verminderten Ausgabebereitschaft der Konsumenten. So fällt das aktuelle BNP im Vergleich zum Ende des Vorjahrs, als die Pandemie noch nicht ausgebrochen war, um 3 Prozent kleiner aus. Gegenüber anderen europäischen Ländern kann der Einschnitt dennoch als moderat bezeichnet werden, hier liegt der Durchschnitt bei etwa 4 Prozent.