GESELLSCHAFT: Neue niederländische Blitzer erkennen Handynutzung am Steuer

Den Haag, SW/NOS/EenVandaag, 13. November 2020

Es ist eine europaweite Premiere: Ab Montag sorgen die ersten beiden „intelligenten“ Blitzgeräte in den Niederlanden für die stärkere Verfolgung jener Autofahrer, die gegen die Verkehrsregel des Handyverbots verstoßen. Wer erwischt wird, muss ein Bußgeld von 240 Euro zahlen.

Für einige Sekunden die Augen während des Autofahrens schließen – eine lebensbedrohliche Vorstellung, die dennoch vergleichbar mit der Nutzung eines Mobiltelefons am Steuer ist, wie Achilles Damen, oberster Verantwortlicher des niederländischen Verkehrsnetzes, erzählt. Einer Schätzung zufolge sei einer von drei Unglücksfällen auf eine Ablenkung am Steuer zurückzuführen, oft durch das Telefon. „Das Ziel ist, dass sich jeder darüber bewusst wird, dass immer und überall jemand zuschauen kann. Das soll den Verkehr sicherer machen“, sagt Damen.

Nach den ersten Testversuchen sind die Erwartungen hoch: Bei einer Simulation mit zwei Kameras konnten insgesamt 400 Kfz-Fahrer identifiziert werden, die einen Regelverstoß durch die Bedienung eines Telefons begingen. Einer der Blitzer war 24 Stunden an einer Schnellstraße positioniert, der zweite für sechs Stunden an einer Autobahn.

Die Funktionsweise ist einfach: Das System nimmt Fotos jedes passierenden Autos auf. Sobald es ein Mobilgerät erkennt, leitet es die Aufnahme an die zuständige Inkassobehörde weiter. Ein Ordnungsbeamter prüft dort in einer letzten Instanz persönlich, ob der Verdacht bestätigt werden kann und schickt bei Bestätigung einen Bußgeldbescheid an den Halter des Wagens. Dieser kann eine Kopie des Fotos, auf dem der Nebeninsasse anonymisiert ist, bei Interesse nachfordern. Das Gesicht des Autofahrers ist nicht im Bild, da die Kamera schräg nach unten gerichtet ist. Lediglich das Kennzeichen und die Hände werden festgehalten – unabhängig von Tageszeit, Wetterumständen und sogar dem Ort, denn das Gerät ist mobil einsetzbar.

Die neue Technik erleichtert vor allem die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden. Bislang konnte die Nutzung des Handys am Steuer nur durch die Beobachtung von Polizisten geahndet werden. Die Niederlande sind damit der Vorreiter auf besagtem Gebiet, zumindest in Europa. Weltweit führte Australien als erster Staat die Blitzer ein, dort erweisen sie sich als erfolgreiche Maßnahme.