WIRTSCHAFT: KLM-Piloten weigern sich Lohnkürzungen zu akzeptieren

Den Haag, MD/VK/Trouw, 03. November 2020

Die Verhandlungen zwischen der niederländischen Fluggesellschaft KLM, der Pilotengewerkschaft Vereniging van Nederlandse Verkeersvliegers (VNV) und Finanzminister Wopke Hoekstra (CDA) über weitere Finanzhilfen für das in Folge der Corona-Krise stark angeschlagene Unternehmen fahren sich weiter fest. Am Wochenende schlugen die KLM-Piloten einen Vorschlag des Finanzministers aus. Dieser sah Lohnkürzungen von 20% für die Piloten vor, solange das Unternehmen Staatshilfen bezieht. Als Reaktion auf die Weigerung der KLM-Piloten hat Hoekstra die Finanzhilfen vorerst eingefroren.

Bereits Anfang Oktober präsentiere KLM dem Finanzminister eine Rahmenvereinbarung zwischen dem Unternehmen und den Gewerkschaften, nachdem Hoekstra für weitere Finanzhilfen eine Umstrukturierung des Unternehmens forderte. Auf Grundlage dieser Rahmenvereinbarung finden die aktuellen Verhandlungen ab. In dieser Rahmenvereinbarung einigte sich die Fluggesellschaft mit der Pilotengewerkschaft VNV auf Gehaltskürzungen bis zum Ende der Laufzeit des geltenden Tarifvertrages. Die Regierung fordert nun allerdings einen Lohnverzicht bis zum Ende der staatlichen Hilfe, welche bis 2025 vorgesehen ist. Dies wiederum lehnt die Pilotengewerkschaft ab.

Damit erreicht der Streit zwischen den drei Parteien einen vorläufigen Höhepunkt. Pikant ist dabei die Rolle, welche die Fluggesellschaft spielt. Laut einem Sprecher des Finanzministers verpflichtete sich die Fluggesellschaft bereits im Juni vertraglich die Bedingungen der Regierung einzuhalten, um weitere staatlichen Finanzhilfen gewährt zu bekommen. In diesem Vertrag war bereits die Forderung enthalten, dass Lohnkürzungen so lange gelten müssen, wie die Fluggesellschaft staatliche Hilfen in Anspruch nimmt. In den darauffolgenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften ließ sich KLM dennoch darauf ein, Lohnkürzungen nur bis zum Ende der Tarifverträge festzuschreiben. Danach müsste neu über Lohnkürzungen verhandelt werden.

Das Ministerium habe KLM nach Eingang der Rahmenvereinbarung mehrfach darauf hingewiesen, dass die Bedingungen im Bereich der Lohnkürzungen damit nicht erfüllt seien. Dennoch gaben die Gewerkschaften an, erst vergangenen Freitag und damit einen Tag vor der Deadline des Ministeriums von KLM darüber in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Die meisten Gewerkschaften akzeptierten die Forderungen sofort, die FNV akzeptierte nach kurzem Zögern. Allein die Pilotengewerkschaft verweigerte die Unterschrift. Als Grund nannte ein Sprecher der Gewerkschaft, dass sie zu wenig Einsicht in den Vertrag zwischen KLM und der Regierung hatten und deshalb keinen „Blankoscheck“ ausstellen möchten. An sich seien die Piloten allerdings bereit, einem Gehaltsverzicht über fünf Jahre zuzustimmen. Aktuell ist unklar, wie die Verhandlungen weitergehen sollen und ob das Finanzministerium weiterhin an den strengen Bedingungen festhalten wird.

UPDATE: KLM-Piloten stimmen Forderungen des Kabinetts zu

Bereits im Laufe des Dienstags haben die KLM-Piloten den Forderungen des Kabinetts nachgegeben und Lohnkürzungen über die gesamte Dauer der staatlichen Hilfen für die Fluggesellschaft zugestimmt. Das teilten Finanzminister Wopke Hoekstra (CDA) und Ministerin für Infrastruktur Cora van Nieuwhuizen (VVD) dem Parlament am Abend mit. Damit steht dem nächsten Hilfspaket für KLM - welches eine Höhe von 3,6 Milliarden Euro umfassen soll - nichts mehr im Weg.