GESELLSCHAFT: Arbeitgeber raten Angestellten vermehrt von Download der App CoronaMelder ab

Den Haag, MD/Trouw, 02. November 2020

Laut den beiden Gewerkschaften CNV und FNV erhalten diese vermehrt Berichte von Arbeitnehmern, welche melden, dass von Seiten ihrer Arbeitgeber davon abgeraten wird, die App CoronaMelder zu installieren. Der Beweggrund der Arbeitgeber für diesen Rat ist scheinbar, dass sie Angst davor haben vermehrt Angestellte in Quarantäne schicken zu müssen, sollte die App flächendeckend bei den Angestellten installiert sein.

Laut dem Vorsitzenden der Branchenvereinigung Ondernemend Nederland Hans Biesheuvel betrifft diese Angst vor allem kleine Unternehmer wie Handwerker oder Maler, welche ihre Arbeit nicht von zu Hause aus erledigen können und die ein Stillstand der Arbeit schwer treffen würde. Allerdings meldet der FNV, dass auch von Busfahrerinnen und Busfahrern häufig gefordert wird, ihre App während der Arbeitszeiten auszuschalten, da sie durch ihren Beruf täglich mit vielen Menschen in Kontakt kommen und daher einem höheren Risiko ausgesetzt sind, sich in Quarantäne begeben zu müssen.

Viele Arbeitgeber sind der Meinung, dass eine Meldung über einen Risikokontakt in der App wenig über das tatsächliche Risiko einer Ansteckung aussagt. Die Apps tauschen Daten über Bluetooth aus. Wer mindestens 15 Minuten in der Nähe einer Person war, welche mit Corona infiziert ist, bekommt eine Warnmeldung auf das Handy. Das Argument der Arbeitgeber lautet, dass beispielsweise ein Busfahrer eine Warnmeldung bekommen kann, obwohl ein infizierter Fahrgast ganz hinten im Bus mit vielen Metern Abstand zur Fahrerkabine sitzt, die ohnehin mit einem Spritzschutz abgegrenzt ist.

Arbeitsrechtler Pascal Besselink vom juristischen Dienstleister DAS sieht in der Empfehlung oder sogar dem Verbot von Arbeitgebern, die App zu downloaden einen Verstoß gegen das Arbeitsrecht. Die Installation und der Gebrauch einer solchen App sei eine persönliche Entscheidung der Angestellten, in die sich Arbeitgeber nicht einzumischen haben, auch wenn die App während der Arbeitszeit eingeschaltet ist. Aufgrund des Machtgefälles in der Beziehung zwischen Angestellten und Arbeitgebern stuft er auch eine freundliche Nachfrage, die App nicht zu installieren oder auszuschalten als kritisch ein.