GESUNDHEIT: Corona-Maßnahmen des Kabinetts veröffentlicht

Den Haag, MD/VK/NRC/Trouw, 13. Oktober 2020

Nach den weiterhin ansteigenden Neuinfektionen vom Wochenende wird das Kabinett weitere Corona-Maßnahmen ergreifen. Eine Konzeptversion, die sogenannte „Routekaart“ (sinngemäß: Fahrplan), wurde am heutigen Dienstag von der Zeitung Volkskrant veröffentlicht. Offiziell sollen die Maßnahmen am Abend von Ministerpräsident Mark Rutte (VVD) und Minister für Volksgesundheit Hugo de Jonge (CDA) verkündet werden.

Das veröffentlichte Papier sieht Maßnahmen für vier verschiedene Risikoniveaus vor, welche von der Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern im Zeitraum einer Woche abhängen. Bei weniger als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern gilt das niedrigste Risikoniveau und damit verbundenen leichten Einschränkungen. Zwischen 50 und 150 Neuinfektionen steigt das Risikoniveau auf „besorgniserregend“, bei über 150 Neuinfektionen steigt das Niveau auf „ernst“. Bei mehr als 250 Neuinfektionen ist das maximale Niveau „sehr ernst“ erreicht. Aktuell weisen vor allem Regionen in der Randstad die Risikoniveaus „ernst“ oder „sehr ernst“ aus.

Für diese Regionen sieht der Plan weitreichende Einschränkungen vor. Zusammenkünfte von Gruppen an öffentlichen Orten werden auf 30 Personen in geschlossenen Räumen und 40 Personen im Freien beschränkt. Bei Sportveranstaltungen sind bei erstem Risikoniveau keine Zuschauer mehr zugelassen, steigt das Niveau auf sehr ernst an, sollen Sportveranstaltungen ganz verboten sein. Öffnungszeiten von Restaurants und Kneipen sollen auf 22 Uhr begrenzt werden, der letzte Einlass soll bereits um 21 Uhr sein. Bei sehr ernstem Niveau darf nur noch Abholung angeboten werden. Bei sehr ernstem Niveau sollen außerdem der Verkauf und Genuss von Alkohol in der Öffentlichkeit verboten werden. Die Öffnungszeiten von Einzelhandelsgeschäften sollen auf 20 Uhr begrenzt werden. Neben diesen Maßnahmen, die automatisch mit Erreichen eines Risikoniveaus in Kraft treten, können weitere Maßnahmen ergriffen werden. Steigen die Zahlen weiter können jeweils Maßnahmen des nächsthöheren Risikoniveaus ergriffen werden. Bei sehr ernstem Niveau ist sogar ein Lockdown möglich.

Die geplanten Maßnahmen lösten bereits Kritik bei einigen Experten aus verschiedenen Disziplinen wie der Gruppe „Team Red“ aus, welche für härtere Maßnahmen plädiert. Daten-Experte Marino van Zelst, der Veränderungen in der Mobilität der letzten Wochen untersucht, findet die Maßnahmen nicht einschneidend genug, da laut ihm bisher keine substanziellen Veränderungen der Mobilität erkennbar wurde. Auch der Vorsitzende der Niederländischen Vereinigung für Intensivpflege (NVIC) Diederik Gommers spricht sich für einen kompletten Lockdown aus. Kritik kommt allerdings auch aus einer anderen Richtung. Vertreter von Restaurant- und Hotelgewerbe fürchten einen Lockdown für ihre Branche und appellieren an die Politik, keine zu schweren Eingriffe zu beschließen. Die Pressekonferenz mit der Verkündung der Maßnahmen soll um 19 Uhr stattfinden.