GESUNDHEIT: Erste Corona-Schnelltests in den Niederlanden zugelassen

Den Haag, SW/NOS/NRC/VK, 08. Oktober 2020

In den Niederlanden wurden zwei Corona-Schnelltests zum Gebrauch in Testzentren zugelassen. Durch das vielfach schnellere Ergebnis als bei den herkömmlichen PCR-Tests können schneller Gegenmaßnahmen eingeleitet und Labore entlastet werden. Für absolute Gewissheit kann das neue Instrument, das in den kommenden Wochen zunächst bei Anwendung in kleinem Rahmen weiter untersucht wird, wohl allerdings nicht immer sorgen.

Gesundheitsminister Hugo de Jonge (CDA) verkündete am Mittwochmorgen das Resultat zweier Forschungsteams aus Utrecht und Breda, die verschiedene Schnelltests in Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsämtern analysieren. Die für den täglichen Bedarf als geeignet befundenen Exemplare stammen von zwei unterschiedlichen Herstellern, funktionieren jedoch nach dem gleichen Prinzip. Sie überprüfen die Anwesenheit von Antigenen, kleinen Eiweißen auf der Oberfläche des Virus, im Organismus der getesteten Person. Dafür muss ihr, wie beim bisherigen PCR-Test, zunächst weiterhin Speichel oder Nasensekret abgenommen werden, das dann, vermischt mit einer Flüssigkeit, innerhalb von etwa 15 Minuten, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest, eine Schlussfolgerung zulässt.

Insgesamt werden momentan fünf Studien zu Schnelltests vom Gesundheitsinstitut RIVM durchgeführt. Dazu kommen in ausgewählten Testzentren zu dem aktuellen PCR-Standard zusätzlich noch die Antigentests zum Einsatz, um deren Zuverlässigkeit durch den Vergleich der Ergebnisse feststellen zu können. Die Methode konnte sich dabei so weit profilieren, dass sie als schnelle Alternative zur PCR-Variante betrachtet wird. Zwar liege ihr Manko in einer etwas größeren Ungenauigkeit - einer von zehn Menschen bekommt zu Unrecht ein „negativ“-Resultat – gibt Mikrobiologe Marc Bonten, der an der Untersuchung teilnahm, zu. „Aber wichtiger als dass man jeden einfängt, ist es vielleicht, dass man sehr schnell, sehr viel testen kann. Es wird ab und zu etwas schiefgehen. Aber wenn man das mit einem Testsystem wieder schnell aufspüren kann, kompensiert sich dies“, so Bonten weiter. Sein Kollege Jan Kluytmans sieht noch einen weiteren Vorteil in der Tatsache, dass der Schnelltest vor allem bei Personen mit einer hohen Viruslast anschlägt: „Das macht ihn so geeignet für die Testzentren. Man will die am meisten ansteckenden Menschen herauspicken.“

Bis November will das Gesundheitsministerium die Experimente weiterführen, danach beschließt es, wie diese zum Einsatz kommen sollen. Minister de Jonge ließ bereits 1,2 Millionen Exemplare reservieren, weitere Millionen könnten noch dazukommen. Gegenüber der Zweiten Kammer ließ er verlauten, den Auftrag gegeben zu haben, „alles zu kaufen, was nicht niet- und nagelfest ist.“ Wahrscheinlich ist, dass die Schnelltests vor allem in Schulen und Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen. Die Eventbranche und die Gastronomie machen sich allerdings ebenso vorsichtige Hoffnungen auf neue Möglichkeiten.

Sicher ist, dass der PCR-Test wohl nicht so schnell ersetzt werden kann. Zu unsicher sind die Resultate, wenn es um den Gesundheitsstatus von beispielsweise Krankenhauspersonal geht. Angesichts der in den Niederlanden zurzeit ausgereizten Testkapazität geben die Schnelltests jedoch Aussicht auf Entlastung, denn bei positiven Befunden gelten sie als reliabel, auch wenn bei negativen Ausschlägen erst nach weiteren Maßnahmen absolute Gewissheit besteht.