KULTUR: Kulturrat empfiehlt die Rückgabe von Raubkunst aus der Kolonialzeit

Den Haag, SW/NRC/VK, 08. Oktober 2020

Der niederländische Kulturrat hat als Beratungsgremium der Regierung am Mittwochmittag ein Empfehlungsschreiben an Kulturministerin Ingrid van Engelshoven (D66) übergeben, in dem er die Zurückgabe von entwendeten Gütern aus der Kolonialzeit fordert. Der Vorschlag stößt gemeinhin auf viel Zustimmung.

Mit dem Bericht des Rats werden nicht nur die etwa 300.000 kolonialen Gegenstände der Staatssammlung, die sich unter anderem auf das Rijksmuseum erstreckt, angesprochen. Auch lokale Entscheidungsträger in Provinzen, Universitäten und Stiftungen sind angehalten, ihren zu Unrecht erworbenen Besitz herauszugeben. Privaten Sammlern, die bereit sind, sich von eigenen Exemplaren zu trennen, wird eine finanzielle Kompensationsregelung angeboten. Objekte, deren Herkunft nicht feststellbar ist oder die freiwillig übertragen wurden, aber für das Herkunftsland einen besonderen kulturellen, religiösen oder historischen Wert haben, fallen auch unter diese nahegelegte Regelung – selbst bei Gütern, die über andere Kolonialmächte nach Europa kamen. Für die Beurteilung soll eine unabhängige Kommission den zuständigen Minister beraten.

Für das Rückgabeprozedere empfehlen die Verfasser, Absprachen mit den ehemals kolonisierten Ländern zu treffen, worunter Indonesien, Suriname und verschiedene Karibikinseln. Allein ein gemeinschaftlich getragenes Abkommen könne für alle Parteien zur Befriedigung führen. Gleichzeitig wird gewarnt vor „einer neokolonialen Wiederholung der Vergangenheit, worin vor allem eigene Auffassungen, Gefühle, Normen und Werte Leitfaden des eigenen Handelns sind.“

Vertreter mehrerer niederländischer Museen begrüßen den Inhalt des Schreibens. Stijn Schoonderwoerd, der Direktor des Nationalen Museums für Weltkulturen, das sich aus mehreren kleinen Museen an diversen Standorten zusammensetzt, spricht von einer „Behebung des Unrechts“. Auch das Rijksmuseum zeigt sich positiv eingestellt: „Weil wir anders auf die Geschichte schauen, schauen wir auch anders auf die Sammlung. Darum fühlen wir mit den Objekten auch eine gewisse Unbehaglichkeit“, sagt Valika Smeulders, Geschichtsexpertin der wohl bekanntesten Kunstausstellung der Niederlande.

Kritik gibt es aus der rechtspopulistischen Ecke. Parlaments-Abgeordneter Martin Bosma von der PVV sieht die Empfehlung als Teil einer „Weg-mit-uns-Ideologie“. Juristische Standards würden allein zugunsten von „Ethik“ über Bord geworfen werden. „Es sind immer die niederländischen Kulturmerkmale, die berührt werden: Zwarte Piet, Goldenes Zeitalter und die VOC.“