GESUNDHEIT: Verschärfte Corona-Maßnahmen und Strafe für Grapperhaus

Den Haag, FV/NRC, 22. September 2020

Das erste Mal seit den Lockerungen im Sommer verschärfen die Niederlande ihre Corona-Maßnahmen wieder. Premierminister Rutte sagte in der Pressekonferenz am Freitagabend, dass dies ein Schritt zurück sei und appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Niederländer. Auch die Strafe für Minister Grapperhaus, der im August selbst die Coronaregeln gebrochen hatte, steht in diesem Zeichen.

Das Kabinett hat am vergangenen Freitagabend bekannt gemacht, dass in den sechs Regionen, die am stärksten von dem Coronavirus betroffen sind, Sonntagnacht verschärfte Maßnahmen in Kraft treten werden. Damit will das Kabinett der gefürchteten „Zweiten Welle“ entgegenarbeiten, die, schaut man auf die aktuellen Zahlen, nun begonnen sei. Am Freitag wurden zweitausend neue Infektionen gemeldet, berücksichtigt man die aktuelle Reproduktionszahl von 1,4, könnte die Anzahl der neuen Infektionen schon in drei Wochen bei 10.000 pro Tag liegen. Gesundheitsminister De Jonge warnte, dass in diesem Falle regionale Lockdowns nötig werden würden.

Um diesen Trend umzukehren, appelliert Rutte an das Verantwortungsbewusstsein der niederländischen Bürger. Immer weniger Menschen würden sich (in der Gastronomie) an die Abstandsregeln halten. Vor allem bei Studenten führt dies zu steigenden Infektionszahlen. Bei Jüngeren stieg die Anzahl derjenigen, die sich in der Gastronomie angesteckt hatten in den letzten Wochen von 3 auf 5 Prozent.

Deshalb dürfen Gastronomiebetriebe in den Regionen Rotterdam, Haaglanden, Amsterdam, Haarlem, Leiden und Utrecht von nun an ab Mitternacht keine Gäste mehr zulassen und müssen sie um 1.00 Uhr ihre Türen schließen. Private Feiern in geschlossenen Räumen, inklusive Hochzeiten, werden beschränkt auf maximal 50 Personen.

Vielerorts sollen in der Nacht außerdem Parks geschlossen werden, um Partys vorzubeugen und bestimmte Zeiten eingerichtet werden in denen Risikogruppen Supermärkte und Behörden besuchen können.
Kinder unter 13, die leichte Beschwerden (wie Schnupfen) haben, dürfen ab sofort jedoch wieder zur Schule.

Auch Minister Grapperhaus hatte sich - wie ein großer Teil der niederländischen Bevölkerung - nicht (mehr) an die Coronaregeln gehalten und bekam dafür nun doch eine Strafe von 390 Euro und einem Eintrag im Strafregister auferlegt.

Dass dem Minister, der die Coronaregeln im August dadurch gebrochen hatte, dass er auf einer Hochzeit nicht genügend Abstand hielt, nun doch eine Strafe auferlegt wurde, obwohl er und seine Frau als Zeichen der Reue bereits jeweils 390 Euro an das Rote Kreuz gespendet hatten, passt zu Ruttes Appell an die Bevölkerung sich an die Maßnahmen zu halten.

Die Strafe soll ein Zeichen setzen und deutlich machen, dass Regelverstöße verfolgt werden. Nach GrapperhausFauxpas war es zunehmend schwer geworden, Bußgelder an Mitglieder der Bevölkerung zu verhängen, die sahen, dass der Minister für dieselben Regelverstöße nicht bestraft wurde.