UMWELT: Erstmals ein mit dem West-Nil-Virus infizierter Vogel in den Niederlanden entdeckt

Den Haag, SW/NOS/NRC/VK, 17. September 2020

Zum ersten Mal haben Forscher in den Niederlanden das West-Nil-Virus bei einem Vogel festgestellt. Ein Exemplar der Art Dorngrasmücke stellte sich nach einem Test aus dem August in der Region Utrecht als Träger des Virus heraus. Für Menschen ist der Krankheitserreger in den allermeisten Fällen ungefährlich.

„Das kommt nicht unerwartet. Wir sind darauf bereits seit einiger Zeit vorbereitet“, sagt die Virologin Chantal Reusken vom niederländischen Gesundheitsinstitut RIVM. Seit Jahren rückt das Virus in Europa vor, vor allem in Deutschland hat es sich seit 2018 gefestigt. Deshalb ist es auch wahrscheinlich, dass sich der untersuchte Zugvogel in niederländischem Gefilde angesteckt hat. Der Test desselben Tieres, dessen Art den Winter in Afrika verbringt, fiel im Frühling noch negativ aus.

Das West-Nil-Virus wird durch Mücken übertragen, die infizierte Vögel gestochen haben. So kann der Erreger auch auf andere Tiere, wie Pferde und Menschen überspringen. Die Weitergabe zwischen zwei Menschen ist jedoch weder direkt noch über den Stich einer Mücke möglich – es dient in jedem Fall ein Vogel als ursächlicher Träger. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Bluttransfusionen und Organtransplantationen, trifft dieser Grundsatz nicht zu.

Bei 80 Prozent der infizierten Menschen bilden sich keine Symptome heraus. Bei den übrigen 20 Prozent entwickeln sich in der Regel milde Grippebeschwerden, nur 1 Prozent von ihnen wird ernster krank. Von diesem Anteil erliegen etwa 4 bis 14 Prozent der Krankheit. In den Niederlanden hat sich noch nie eine Person angesteckt.

Eine Reihe von Faktoren ist für die Etablierung des Virus in der mitteleuropäischen Region verantwortlich. Insbesondere das wärme Klima trägt dazu bei: Die Körpertemperatur der Mücken steigt an, wodurch sich das Virus besser vermehren kann und die Insekten es schneller übertragen. „Ich halte nicht so viel davon, überall das Klima heranzuziehen. Aber in diesem Fall ist die Klimaveränderung wirklich einer der Faktoren, die eine Rolle spielen“, ist sich Reusken sicher. Ob das Virus allerdings die kälteren Temperaturen im Winter überstehen wird, ist noch unklar.

Entdeckt wurde der Vogel von One Health PACT, einem Zusammenschluss mehrerer Wissenschaftler unter dem Dach der Universitätsklinik in Rotterdam, der sich dem frühzeitigen Aufspüren exotischer Viren verschrieben hat. Schon vorher fand man Tiere mit Antikörpern, nun aber die erste aktive Infektion.