MONARCHIE: Goldene Kutsche vorerst nicht beim Prinsjesdag

Den Haag, FV/NRC/VK/Trouw, 12. September 2020

Die wegen ihres kolonialistischen Gemäldes umstrittene Goldene Kutsche wird nach Vollendung ihrer Restaurierung definitiv noch nicht direkt wieder beim Prinsjesdag, der zeremoniellen Eröffnung des niederländischen Parlaments am dritten Dienstag im September, eingesetzt werden. Sie soll von Juni bis November 2021 im Rahmen einer Sonderausstellung im Amsterdam Museum zu sehen sein. Danach soll König Willem-Alexander selbst einen Entschluss über die Zukunft der Kutsche treffen.

Schon vor zehn Jahren wurde das für die traditionelle Kutschfahrt des Königspaares am Prinsjesdag (deutsch: Prinzentag) eingesetzte Fahrzeug von Mitgliedern der linken Parteien SP undGroenLinks wegen seines die „Kolonialgeschichte verherrlichenden“ Gemäldes ‘Hulde der koloniën’ (Huldigung der Kolonien) von Nicolaas van der Waay kritisiert. Es zeigt halbnackte afrikanische und indonesische Männer, die Gaben darbieten an eine weiße Frau, die für die niederländische Nation stehen soll. Auch die Organisation Landelijk Platform Slavernijverleden (Landesweite Plattform Sklaverei-Geschichte) fordert seit Jahren die Abschaffung der Kutsche, die „eine scheußliche Periode der niederländischen Geschichte“ abbilde.

Die Goldene Kutsche war ein Geschenk der Amsterdamer Bevölkerung an Königin Wilhelmina zum Anlass ihrer Inthronisierung 1898 und wurde seit 1903 am Prinsjesdag eingesetzt. Seit 2015 wird sie nun restauriert und das Königspaar fuhr deshalb seitdem am dritten Dienstag im September mit der Gläsernen Kutsche. Dieses Jahr wird es mit dem Auto am Ritterzahl in Den Haag ankommen, um wegen des Coronavirus Menschenmengen zu vermeiden.

Der König, der nach der Ausstellung im kommenden Jahr über die Zukunft der umstrittenen Kutsche entscheiden soll, äußerte sich im Juli dieses Jahres wie folgt: „Die Goldene Kutsche gehört zum kulturellen Erbe der Niederlande. Wir restaurieren sie so wie sie war. Wir werden die Geschichte während der Restaurierung nicht umschreiben. Wenn sie wieder in vollem Glanze erstrahlt, entscheiden wir, was dann passiert.“ Er wolle bis dahin den Diskussionen über die Kutsche folgen.

Diese Diskussion soll auch durch die Ausstellung im Amsterdam Museum gefördert werden. Die Besucher sollen „mitreden über verschiedene Themen in Bezug auf die Goldene Kutsche und das Niederländische kulturelle Erbe“. Laut Museumsdirektorin Judikje Kiers werde die Kutsche aus verschiedenen Perspektiven präsentiert werden, um so die verschiedenen Facetten im Kontext deuten zu können und viel Raum für auseinanderlaufende Meinungen über die Zukunft der Kutsche zu bieten. „Als Museum müssen wir eine Rolle spielen bei aktuellen gesellschaftlichen Fragen.“