GESUNDHEIT: Keine landesweite, sondern nur lokale Mundschutzpflicht in den Niederlanden

Den Haag, TA/NOS/Trouw/VK, 30. Juli 2020

Die Zweite Kammer der Niederlande hat beschlossen, dass es keine landesweite Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung geben wird. Damit reagierte sie auf die Empfehlungen des Outbreak Management Teams, einem Gremium, dass der Regierung in der Bekämpfung von Pandemien mit Ratschlägen und Empfehlungen zur Seite steht. Möglich ist jedoch die lokale Einführung einer Mundschutzpflicht. Die Gemeinden Amsterdam und Rotterdam haben das bereits angekündigt.

Gemäß der Einschätzung des OTM gebe es nicht genügend wissenschaftliche Beweise, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ein effektives Mittel zur Eindämmung der Coronapandemie sei. Zuvor schrieb das Team sogar, dass Masken zu einer Scheinsicherheit führen könnten und damit die Ausbreitung des Virus‘ sogar noch begünstigten. Ihre jetzige Empfehlung untermauerten die Mitglieder des Teams mit einer norwegischen Studie, der zufolge das Tragen eines Mundschutzes einen sehr geringen Effekt habe.

Auch wenn es nicht zu einer landesweiten Pflicht kommen wird, so ließ die Regierung den veiligheidregio’s (deutsch "Sicherheitsregionen") offen, lokale Maßnahmen durchzuführen, sofern die Infektion stark steigen. Neben einer Mundschutzpflicht wurden dabei weitere, nicht näher definierte Maßnahmen in den Raum gestellt, die das Verhalten der Bürger positiv beeinflussen soll.

Kaum war der Entschluss der Zweiten Kammer verkündet, haben die Gemeinden Rotterdam und Amsterdam einen Vorstoß unternommen und in stark frequentieren Bereichen ihrer Stadt eine Mundschutzpflicht angekündigt, die ab dem 05. August gelten soll. Für Amsterdam betrifft das De Wallen, die Einkaufsstraßen Kalverstraat und Nieuwendijk, die Märkte auf dem Plein `40-`45 und der Albert Cuypstraat. Halten sich die Besucher dieser Gebiete nicht an die Vorgaben der Gemeinde, müssen sie hier mit einem Bußgeld rechnen.

In Rotterdam betrifft die Pflicht die Einkaufsstraßen wie die Coolsingel, Lijnbaan, Meent und das Gebiet rund um den Nieuwe Binnenwegplein. Auch auf dem Visserijplein, Afrikaanderplein und unter anderem der Binnenrotte müssen Mund und Nase von 6 bis 22 Uhr bedeckt werden. Laut Ahmed Aboutaleb (PvdA), Bürgermeister von Rotterdam, werden Personen bei Verstößen aufgefordert, das betroffene Gebiet zu verlassen. Mit Bußgeldern rechne er zurzeit nicht, schließt es allerdings auch nicht komplett aus. In einem Interview mit der NOS sagte er, er wolle sich nach der Coronapandemie noch im Spiegel betrachten können und keine naheliegende Maßnahme ignorieren, die möglicherweise einen positiven Effekt auf die Entwicklung der Infektionszahlen habe.

Die Gemeinden Rotterdam und Amsterdam gehören zu den am schwersten von der Coronapandemie betroffenen Gebieten in den Niederlanden. Die Einführung einer Maskenpflicht wird in den niederländischen Medien gemeinhin als „lokales Experiment“ betitelt, mit dessen Hilfe man das Verhalten der Niederländer beim Tragen eines Mundschutzes und somit dessen Effekt auf die Pandemie besser einschätzen will.