GESUNDHEIT: Corona-Fallzahlen steigen wieder deutlich an

Den Haag, SW/NOS/NRC/VK, 22. Juli 2020

Aufgrund der Entwicklung der Corona-Fallzahlen in der letzten Woche zeigt sich das niederländische Gesundheitsinstitut RIVM alarmiert: „Wenn wir in dieser Weise weitermachen, brauchen wir nicht bis zum Herbst auf eine zweite Welle zu warten.“ Die Sorge scheint berechtigt: Die täglichen Corona-Neuinfektionen haben das Niveau von Mitte März erreicht, während sich die Ansteckungsräume allmählich über den engsten Familienkreis ausdehnen.

Die Fallzahl der Covid-19-Erkrankten hat sich in der letzten Woche beinahe verdoppelt: von 534 auf 987. Dies bedeutet, dass etwa 150 positive Tests am Tag vermerkt wurden, womit der Zustand zu Beginn des Pandemiegeschehens in den Niederlanden im Frühjahr, wiederhergestellt zu sein scheint. Ein Sprecher des Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM, dt. Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt) bekräftigt die inzwischen entstandene Besorgnis, die die Wissenschaftler hegen: „Das ist ein wake-up call.“

Darauf, dass sich wieder mehr Personen infizieren, gibt auch die sogenannte Reproduktionszahl Aufschlüsse, die ein Indikator für die Ansteckungsrate ist. Den Behörden nach liegt sie zurzeit bei 1,29 - nur bei unter 1 nimmt die Verbreitung des Virus ab. Auch wenn der Wert mit Vorsicht betrachtet werden muss, da er einem gewissen Unsicherheitsfaktor unterläuft, verdichten sich die Hinweise, dass seine Reliabilität diesmal hoch ist, liegt er doch schon seit dem 15. Juli über 1.

Auch die Sphären, an denen sich die Infektionen ereignen, transformieren sich sukzessive. Während am vorläufigen Tiefpunkt des Pandemiegeschehens vor zwei Wochen noch hauptsächlich die Familienmitglieder als Überträger fungierten, sind es inzwischen immer häufiger entferntere Verwandte, Kollegen oder Besucher von Restaurants und Festen, mit denen der Betroffene in Kontakt kam. Weil sich die Personen in diesen Situationen oft nicht an die Corona-Regeln hielten, sei dies nicht verwunderlich, gibt die Virologin Marion Koopmans gegenüber dem NRC Handelsblad zu verstehen: „Die Verhaltensregeln sind entscheidend, es gibt sie nicht umsonst. Wenn sich der Trend durchsetzt, werden Bürgermeister und Regionen möglicherweise beschließen müssen, doch einen Teil der Lockerungen zurückzudrehen.“

Insgesamt zählt das RIVM landesweit 96 Brandherde, in denen mindestens drei Infektionen miteinander zusammenhängen. Besonders betroffene Gebiete stellen dabei die Provinzen Zeeland und Nord- und Südholland dar. Vor allem die Stadt Goes rückte in den letzten Tagen in den Fokus, weil zwei Privatfeiern von jungen Erwachsenen für eine neue Kette von Ansteckungen gesorgt hatten. So ist auch etwa ein Drittel aller Träger momentan jünger als 30 Jahre, was jedoch kein Grund zur Unbekümmertheit sein dürfe, so Koopmans: „Sie können auch andere infizieren. Man denke an Senioren und ältere Familienmitglieder.“ Ebenso könnten auch Jüngere ernste Symptome entwickeln.

Wird also alles wie bei der ersten Welle? Der Pflegeexperte Bart Berden erklärt gegenüber de Volkskrant, dass man in den Niederlanden nun zumindest besser vorbereitet sei. „Die Testkapazität ist enorm erweitert worden und wir wissen mehr über das Virus.“