GESUNDHEIT: Mehrheit der Niederländer unterstützt Corona-Politik, aber hält sich nicht dran

Den Haag, SW/NOS/VK, 16. Juli 2020

Ein großer Teil der niederländischen Bevölkerung befindet es für richtig, zur Vorbeugung der Verbreitung des Corona-Virus bei gesundheitlichen Beschwerden zu Hause zu bleiben und sich testen zu lassen. Wie das staatliche Gesundheitsinstitut RIVM nun verkündet, legt aber nur eine kleine Gruppe der Niederländer eine solche Verhaltensweise wirklich an den Tag. Dies sei „besorgniserregend“.


Wer die Pressekonferenzen des Ministerpräsidenten Mark Rutte seit Beginn der Covid-19-Pandemie mitverfolgt hat, dem werden wohl vor allem die gebetsmühlenartig erläuterten Handlungsempfehlungen aufgefallen sein, die fester Bestandteil jeder Medienrunde waren. Darunter fiel auch: „Haben Sie Beschwerden: Bleiben Sie zu Hause und lassen Sie sich so schnell wie möglich testen.“


Dass diese Worte das Bewusstsein der Bürger zumindest erreicht haben, zeigt der erste Abschnitt der Studie des RIVM, die unter über 50.000 Niederländern durchgeführt wurde. 68 Prozent der symptomlosen Befragten gaben an, sich testen lassen zu wollen, wenn sie Beschwerden bekämen. Bei denen, die tatsächlich Symptome verspürten, sank die Quote allerdings bereits auf 28 Prozent, während nur 12 Prozent sich auch wirklich haben testen lassen. Dies liegt zum Teil daran, dass zumindest 4 von 10 Teilnehmern der Studie angaben, die Symptome als Teil chronischer Krankheiten, wie Heuschnupfen oder Asthma, erkannt zu haben. In solchen eindeutigen Fällen sei das Testen auch nicht nötig, bestätigt das RIVM. Trotzdem warnt es, bei ungewöhnlichen Symptomen, auch wenn sie mild seien, eine der rund 80 Testzentren in den Niederlanden aufzusuchen: „Es ist wichtig zu wissen, dass die Beschwerden nicht von einer gewöhnlichen Erkältung zu unterscheiden sind“, sagt einer der Forscher, Marijn de Bruin.


Wenn es darum geht, sich bei Krankheitsanzeichen eine Quarantäne selbst aufzuerlegen, sind die Zustimmungswerte bei den symptomlosen Interviewten noch höher, nämlich bei 87 Prozent. Auch diese Zahl fällt bei den wirklich Betroffenen aber rapide. So waren 80 Prozent trotz der Beschwerden einkaufen, 58 Prozent statteten anderen Besuche ab und immerhin 45 Prozent gingen zur Arbeit. Dieser Umstand sei laut RIVM besonders deshalb kritisch, weil die Anzahl der Neuinfektionen langsam anzusteigen scheine: „Es ist wichtig, dass Menschen bei Anzeichen das Zuhausebleiben und Testen nicht aufschieben, bis die Symptome ernster werden.“


Jene Personen, die sich haben testen lassen, haben dies getan, um Sicherheit zu bekommen, aber auch um andere Menschen zu beschützen oder wieder an die Arbeit zu können. Seit dem ersten Juni sind 30.000 Tests pro Tag verfügbar, aber mehr als die Hälfte davon wird nicht genutzt.