GESELLSCHAFT: 25-jähriges Gedenken an Srebrenica

Den Haag, TA/NOS/VK, 14. Juli 2020

Am vergangenen Samstag wurde in einem Dorf nahe Srebrenica dem Massenmord von tausenden Jungen und Männern im Jahr 1995 gedacht. Der niederländische Premierminister Rutte sprach in einer Videobotschaft von Schmerz und Kummer, die auch am heutigen Tag noch empfunden werden.

Wegen der Coronakrise war Mark Rutte (VVD) jedoch nicht physisch auf der Gedenkfeier anwesend, sondern sandte wie viele Vertreter der UN und der Europäischen Union eine Videobotschaft an die Feier. Er betonte unter anderem, dass die Geschehnisse in Srebrenica zwar bereits 25 Jahre zurücklägen, sich jedoch anfühlten, als sei es erst gestern gewesen. „Leider können wir die Geschichte nicht ändern. Die Geschichte ändert uns“, so Rutte. Weiterhin sagte er, dass der Schrecken bleibe, auch für die Frauen und Männer des niederländischen Bataillons, der sich damals „machtlos fühlten und noch immer von den Erinnerungen verfolgt werden“.

Vor 25 Jahren waren in Srebrenica mehrere hundert niederländische Soldaten stationiert, die im Zuge einer UN-Mission eine muslimische Enklave beschützen sollten. Trotz ihrer Anwesenheit vor Ort wurde mehr als 8.000 Muslime von bosnisch-herzegowinischen Truppen in Bussen abtransportiert und ermordet.
Als Teil der Trauerfeier wurden unter anderem neun Opfer, deren Identität mittlerweile ermittelt werden konnte, offiziell beigesetzt. Da die ermordeten Personen damals in Massengräbern verscharrt wurden, wird bis zum heutigen Tage versucht, die Leichen zu identifizieren. Hunderte von Menschen gelten immer noch als vermisst.

In Den Haag soll zum 25-jährigen Gedenken an den Genozid ein Nationalmonument errichtet werden. Bürgermeister Jan van Zanen (VVD) gab bekannt, dass man noch nach einem geeigneten Platz dafür suche. Als Stadt des „Friedens und Rechts“ sei es für Den Haag wichtig, dem Ereignissen von Srebrenica zu gedenken, so Van Zanen. Samir Hajdarevic, Vorsitzender des Komitees Nationales Gedenken Srebrenica Genozid, halte laut der Tageszeitung de Volkskrant beispielsweise einen Ort in der Nähe des Internationalen Gerichtshofs oder dem Gebäude, in dem ehemals das Jugoslawientribunal saß, aufgrund der Symbolkraft für geeignet.

2017 hatte der Gerichtshof in Den Haag in einem Urteil bestätigt, dass die Niederlande eine Teilschuld am Genozid in Srebrenica tragen. Später wurde dieses Urteil vom Hohen Rat bestätigt.