GESELLSCHAFT: Niederländischer Ausweis bald ohne Geschlechtsangabe

Den Haag, TA/NOS/NRC, 07. Juli 2020

In den Niederlanden wird in den kommenden Jahren die Angabe über das Geschlecht allmählich von Ausweisen verschwinden, teilte Ministerin Ingrid van Engelshoven (Bildung, Kultur und Wissenschaft, D66) der Zweiten Kammer in einem Brief mit.

Laut der Ministerin zeigen Studien, dass das Wegfallen einer solchen Angabe keine oder nur begrenzte Folgen für Organisationen habe, die einen Ausweis als Identitätsnachweis fordern. Diese Maßnahme ist Teil eines ausführlichen Plans Van Engelshovens, mit dem sie den unnötige Geschlechtsfeststellung eingrenzen will. Dafür hat sie eine „Online Toolbox“ in Auftrag gegeben, mit dessen Hilfe Firmen oder Organisationen entscheiden können, wann eine Geschlechtsangabe nötig ist, und wann nicht.

Mit diesen Änderungen sollen Bewusstsein und Rechte von Niederländern gestärkt werden, die sich körperlich nicht in die Kategorien „Mann“ und „Frau“ einordnen lassen. Damit wären die Niederlande nicht das erste Land, das auf eine solche Angabe verzichtet. Auch auf deutschen Personalausweisen fehlt eine Angabe zum Geschlecht des Besitzers. '

Im Gegensatz zu Deutschland haben die Niederlande auch in Geburtsakten bisher nur die Möglichkeit „Frau“ oder „Mann“ zur Geschlechsfeststellung gehabt. Minister Sander Dekker (Rechtsschutz, VVD) hat sich gebogen über die Frage, ob in der Geburtsakte noch eine dritte Option ermöglicht werden sollte. Das wird auch über die Frage entscheiden, ob ein drittes Geschlecht in Pässe aufgenommen werden kann, da die Zweite Kammer fordert, dass für das Geburtsregister und Pässe dasselbe System benutzt wird. Bisher müssen Betroffene vor Gericht ziehen, um eine Änderung ihrer Angaben im Pass zu bewirken (NiederlandeNet berichtete).

In Deutschland war 2013 die Aufnahme eines dritten Geschlechts ins Geburtsregister beschlossen worden, nachdem der Deutsche Ethikrat der Bundesregierung hierzu geraten hatte. Später bestätigte das Bundesverfassungsgericht, dass ein Fehlen einer solchen Option gegen Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes verstoße.