GESELLSCHAFT: Neue Aspiranten zur Gestaltung des Rundfunkprogramms haben sich beworben

Den Haag, SW/NRC, 01. Juli 2020

Beim niederländischen Commissariaat voor de Media (dt.: Medienkommissariat) haben sich sieben Organisationen als Aspiranten für das Aussenden ihres eigenen Programms im öffentlich-rechtlichen Rundfunk beworben. Bis Ende des Jahres müssen die Bewerber eine bestimmte Anzahl an Mitgliedern sammeln, um ab 2022 Inhalte entwerfen zu dürfen.


Im Mediensystem des Nachbarlandes bekommen sogenannte Rundfunkvereine anhand ihrer Mitgliederzahlen bestimmte Sendezeiten in den öffentlichen Sendern zugeschrieben. In regelmäßigen Zeitabständen von fünf Jahren können sich allerdings auch neue Bewerber melden, um den Status von „aspirant-omroepen“ (dt. Aspirant-Rundfunkvereine) zu erlangen und bei Annahme das Programm testweise mitzugestalten. Bei Bewährung besteht für sie die Möglichkeit, mit einem bestehenden Rundfunkverein zu fusionieren.


Zu den Organisationen, die sich bisher beworben haben, gehören unter anderem „Moslim24“ mit muslimisch motiviertem Antrieb und vor allem „Ongehoord Nederland“, der sich nach eigener Auffassung an Niederländer richtet, die nun nicht gehört würden und als rechtspopulistisch eingeordnet werden kann. Nach der heute endenden Anmeldephase haben sie bis zum 31. Dezember Zeit, der Prüfungskommission eine Liste mit mindestens 50.000 bezahlenden Mitgliedern vorzulegen. Daneben gelten aber noch weitere Voraussetzungen: Die Aspiranten müssen sich in ihrem Programm und ihren Zielgruppen klar von bestehenden Rundfunkvereinen abgrenzen.


Ongehoord Nederland gab bereits an, mehr als 50.000 Mitglieder zu zählen, M24 beginne dagegen laut eigenen Angaben nun mit dem Anwerben von Unterstützern.


Die momentanen Aspiranten-Statushalter Powned, WNL und Human müssen indes bis zum selben Fristende Rechenschaft über ihre Mitgliederzahlen ablegen. Zur vollwertigen Anerkennung müssen die Mitglieder mindestens 16 Jahre alt sein und wenigstens 5,72 Euro pro Jahr als Beitrag bezahlen.
Der sich stark über das Internet bewegende Aspirant Powned betrachtet die Vorgehensweise schon seit Jahren als „komplett überholte Methode“ und würde die Legitimation gern über die Onlinereichweite definiert wissen. Durch eine Kampagne, in der jedem, der eine neues Mitglied anwirbt, 10 Euro gezahlt werden, will sich Powned dennoch vor dem Verlust seiner Senderechte retten. Die Taktik scheint Erfolg zu haben: Laut Senderchef Dominique Weesie ist die Anzahl der Mitglieder im ersten Halbjahr 2020 von 18.500 auf 40.000 geklettert.


Human, ein humanistisch orientierter Rundfunkverein, steht eigenen Angaben zufolge bei mehr als 50.000 Mitgliedern, führt jedoch seine Kampagne zur Neugewinnung fort, um ein negatives Ergebnis am Ende des Jahres, durch Austritte und die Folgen der Coronakrise, zu verhindern. Währenddessen sieht die Situation für den rechtsorientierten Verein WNL ebenfalls vielversprechend aus, er verfügt zurzeit über etwa 58.000 Mitglieder.

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