KULTUR: Veranstaltungen ohne Besucherbegrenzung wohl ab Juli wieder möglich

Den Haag, SW/NOS/VK, 24. Juni 2020

Mehreren Medienberichten zufolge wird am heutigen Mittwochabend durch das niederländische Kabinett verkündet werden, dass ab dem 1. Juli wieder Veranstaltungen mit einer unbegrenzten Besucherzahl stattfinden dürfen – solange der Mindestabstand gewahrt bleibt. Für den stark von der Corona-Krise betroffenen Kultursektor stellt dies zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer dar.


Laut des eigentlichen Lockerungsplans der Regierung war mit dem Beginn des Monats Juli lediglich geplant, die aktuell erlaubte Personenanzahl von 30 auf 100 zu erhöhen. Vertrauliche Quellen aus Den Haager Kreisen, so berichten die NOS, de Volkskrant und die niederländische Nachrichtenagentur ANP, ließen nun allerdings bereits durchsickern, dass die Begrenzung an Besuchern vollends aufgehoben werden solle.


Werde es neben dem Mindestabstand gewährleistet, dass sich vor dem Eintritt der Personen über deren Gesundheitszustand informiert werde und sich daneben kein Stau vor dem Eingang bilde, stünde Events im Innenbereich nichts mehr entgegen. Falls die Regeln nicht eingehalten werden könnten, seien allein 100 Personen „indoor“ und 250 Personen unter freiem Himmel zugestanden. Wichtige Einschränkung vorab: Für jede Ausrichtung ist das Reservieren vorab verpflichtend, um im Ernstfall eine schnelle Rückverfolgung von möglichen Infizierten durchführen zu können.


Die Tragweite der Entscheidung des Kabinetts ist indes noch nicht vollständig ersichtlich. Ob bald wieder größere Feste oder sogar Fußballspiele mit Zuschauern möglich sind, wird wohl erst die offizielle Verkündung offenbaren. Sicher ist, dass nicht nur Hochzeiten und Beerdigungen wohl in gewohnterem Rahmen vonstattengehen können, sondern vor allem Einrichtungen wie Kirchen, Kinos und Theater, deren Kapazität zurzeit meist kaum ausgelastet ist, stark profitieren werden. Mit Bezug auf die Meldung sagte beispielsweise die Direktorin der Veranstaltungshalle Rotterdam Ahoy, Jolanda Jansen: „Wenn es stimmt, ist es ein sehr guter Schritt auf dem Weg zurück.“ Auch andere Vertreter der Branche zeigten sich hocherfreut.


In einem Brief an das Parlament, der am heutigen Mittwoch von 111 Interessensgruppen des Kultursektors übergeben wurde, fordern die Repräsentanten eben jenes Zulassen von mehr Besuchern und höhere staatliche Finanzhilfen. Unabhängige Untersucher haben errechnet, dass in diesem Jahr ein Einkommensverlust von 2,6 Milliarden Euro drohe. Jeroen Bartelse, Direktor eines Utrechter Konzertsaals, meint, dass ein größerer Anteil an Publikum nicht die Sicherheit auf die Probe stellen, dafür jedoch den Job vieler Menschen fördern und letztlich auch den Staat entlasten würde.


Im April schnürte die Kulturministerin Ingrid van Engelshoven (D66) ein 300 Millionen Euro schweres Hilfspaket für die „finanziell schweren ersten Monate“, ließ aber auch durchblicken, dass weitere Unterstützung folgen müsse. Darüber, ob es diese geben wird und wie sie dann aussehen könnte, herrscht zurzeit noch Uneinigkeit. Während die linke Opposition der Branche, die 4,7 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigt und beinahe 4 Prozent des nationalen Einkommens einbringt, weitere 700 Millionen Euro zukommen lassen will, sind die Koalitionsparteien VVD und CDA deutlich skeptischer. Laut ihnen müsse es bei der gezahlten Nothilfe bleiben, immerhin hätten wenig andere Wirtschaftsbereiche solch eine Spezialbehandlung erfahren und könnten die Kultureinrichtungen ohnehin vom staatlichen Unterstützungsprogramm Gebrauch machen.