GESELLSCHAFT: Auseinandersetzungen mit der Polizei bei Demo in Den Haag

Den Haag, TA/VK/NOS, 23. Juni 2020

In den Niederlanden wird – wie auch in Deutschland – gegen die Coronamaßnahmen der Regierung demonstriert. Am vergangenen Sonntag sollte eigentlich eine Demonstration auf dem Malieveld in Den Haag stattfinden, die wegen der hohen Teilnehmerzahl im Vorfeld abgesagt werden musste. Nichtsdestotrotz fanden sich Personen auf dem Malieveld ein. Am Ende des Tages kam es zu Ausschreitungen und Verhaftungen.

Die niederländische Tageszeitung de Volkskrant schreibt, dass es sich bei den Versammelten um eine sehr heterogene Gruppe von Personen gehandelt habe. Da der Protest anfangs friedlich verlief, erlaubte Bürgermeister Johan Remkes (VVD), dass er bis 13:30 Uhr weitergeführt werden dürfe. Kurz vor Ende spaltete sich jedoch eine Gruppe ab, die zum Hauptbahnhof zog. Dort kam es zur Konfrontation mit der Polizei.

Laut eigener Aussage der Polizei habe diese bereits im Vorfeld Informationen erhalten, dass sich eine Gruppe gewaltbereiter Personen – darunter Fußballhooligans – unter die Demonstrierenden mischen wird. Ein Sprecher von Viruswaanzin (dt. „Virusirrsinn“), der Organisation, die die ursprünglich geplante Demonstration organisierte, widersprach dieser Aussage jedoch. Vielmehr habe es so gewirkt, als seien die Unruhestifter „gebucht“ gewesen.
Am Hauptbahnhof kam es dann zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es wurden unter anderem Feuerwerksbomben abgefeuert. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz. Am Ende des Tages sind rund 400 Personen verhaftet worden. Der Großteil der Festnahmen erfolgte dabei gegen Ende der Demonstration, als rund 200 Personen einen Sit-In starteten. Dieser sei laut Angaben der Polizei gemäß dem offiziellen Protokoll aufgelöst worden. Viruswaanzin widersprach ihren Aussagen jedoch erneut. Ihren Beobachtungen zufolge seien die Demonstrierenden wortlos eingekreist worden. Auch unbeteiligte Passanten und Zuschauer sind dabei zwischen Polizisten und dem Sit-In geraten.

Am gestrigen Montag kündigte die Polizei Den Haags an, dass ausführliche Nachforschungen angestellt werden sollen.

Henk van Essen, Chef der niederländischen Polizei, hat laut eigenen Aussagen die Nase voll vom „Polizei-Bashing“. Wann immer die Polizei irgendwo in Aktion trete, komme es zu irgendeiner Form von Kritik an ihr und ihrem Vorgehen. Entweder sei sie zu hart oder zu zurückhaltend vorgegangen. Es sei einfach, sich auf Basis fragmentarischer Bilder eine Meinung zu einer Polizeiaktion zu bilden, das werde den Polizisten jedoch nicht gerecht, so Van Essen.