KULTUR: Sander Kollaard gewinnt den Libris Literatuurprijs 2020

Den Haag, TA/NRC/librisprijs.nl/Letterenfonds, 23. Juni 2020

Eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen der Niederlande, der Libris Literatuurprijs, geht dieses Jahr an den Schriftsteller Sander Kollaard mit seinem Werk Uit het leven van een hond (dt. "Aus dem Leben eines Hundes"). Die Jury lobte vor allem die Sprache Kollaards ausführlich in ihrem Bericht.

Der Gewinn Kollaards ist laut der Tageszeitung NRC Handelsblad eine Überraschung, mit der nicht viele gerechnet hatten. Eigentlich galt die Schriftstellerin Manon Uphoff mit ihrem Roman Vallen is net als vliegen (dt. „Fallen ist genau wie fliegen“) als Favoritin für den Preis. Kollaards Werk fiel zwischen den anderen Themen der nominierten Romane – Sexueller Missbrauch, Jugendtraumata oder unmögliche Liebesbeziehungen - aber durch seine Leichtheit und Lebhaftigkeit auf. Obwohl das Werk gerade aufgrund dieser Thematik nicht als Favorit betrachtet wurde, wählte die Jury Kollaard gerade deswegen als Gewinner aus.

Uit het leven van een hond beschreibt das Leben des 56-jährigen Intensivpflegers Henk, der ein durchschnittliches Leben führt. Dabei überrascht weniger der Inhalt des Buches, sondern vielmehr die Sprache. „Die Spannung befindet sich in den Sätzen Kollaards, die immer wieder überraschen. Er schreibt, als würde er sich mit dem Leser unterhalten, gemütlich bei einer Tasse Tee“, schreibt die Jury in ihrem Bericht. Das Buch sei in seiner Einfachheit großartig, so Jurymitglied Bo van Houwelingen (Literaturkritiker der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant) weiter. „Wir haben einen Roman gewählt, der den Leser über den Wert eines Menschenlebens nachdenken lässt.“

Sander Kollaard wurde 1961 geboren und lebt seit 2006 in Schweden. Sein Roman Stadium IV wurde bereits von Gerd Busse ins Deutsche übertragen. Da Kollaard bei der Preisverleihung nicht anwesend sein konnte, war er über Video dazugeschaltet.

Der Libris Literatuurprijs wird jährlich für den besten niederländischsprachigen Roman verliehen und gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen. Neben Sander Kollaard waren in diesem Jahr Manon Uphoff (Vallen is net als vliegen), Saskia de Coster (Nachthouders), Wessel te Gussinklo (De hoogstapelaar), Oek de Jong (Zwarte Schuur) und Marijke Schermer (Liefde, als dat het is) nominiert. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Mehr zur niederländischen Literatur finden Sie in unserem gleichnahmigen Dossier.