WIRTSCHAFT: Rezession und Bankrotte für 2020 prognostiziert

Den Haag, SW/NOS/Trouw, 18. Juni 2020

Es kommen harte Zeiten auf die niederländische Wirtschaft zu. Während das Wirtschaftsministerium in einer Prognose für das laufende Jahr einen starken ökonomischen Verfall voraussagt, ist der Kreditversicherer Coface in einem eigens erstellten Bericht zum Ergebnis gekommen, dass die Anzahl der zu erwartbaren Konkurse niederländischer Unternehmen bald stark ansteigen dürfte.


Das Centraal Planbureau (dt. Zentrale Planungsbehörde), das als Teil des Ministeriums für Wirtschaft und Klimapolitik wissenschaftlich fundierte Analysen bereitstellt, geht in seiner Publikation von einer Verringerung der Wirtschaftskraft um sechs Prozent für das Jahr 2020 aus. Zwar sähen die Prognosen für das Folgejahr besser aus, mit einem Jahresanstieg von drei Prozent, doch könne von einer zunächst angedachten Rezession in „V-Form“ nicht mehr ausgegangen werden. Zwangsläufig hat dies auch soziale Folgen: Für 2021 wird eine Verdopplung der Arbeitslosigkeit erwartet.


Das CPB hat in seiner Studie weiter erörtert, was im Falle erneut verschärfter Beschränkungen in Folge einer neuen Infektionswelle geschehen könnte. In diesem Szenario würde die Konjunktur 2021 ebenfalls einen Negativtrend aufweisen, die Arbeitslosigkeit etwa auf zehn Prozent steigen und die Staatsschulden könnten circa 75 Prozent des BIP einnehmen (zurzeit 62 Prozent). Dabei ist die Entwicklung allerdings nicht nur von der Lage in den Niederlanden abhängig. Ebenso käme es auf die Situation in den Ländern an, mit denen man Handel treibe.


Demgegenüber wurde ebenfalls eine positivere Variante ausgearbeitet, die von einem schnelleren Wachstum im nächsten Jahr ausgeht. Falls die Konsumenten das in diesem Jahr eingesparte Geld dann beispielsweise durch Urlaube und Restaurantbesuche ausgeben sollten, könnten auch Betriebe extra investieren, wodurch neue Jobs die Arbeitslosenziffer relativ klein hielten.


Laut dem CPB seien die Folgen für den Staatshaushalt „groß, aber tragbar“. Vor allem wird nun mit weiteren Investitionen in den Erhalt von Unternehmen, aber auch weniger Steuereinnahmen und größeren Sozialausgaben zu rechnen sein. Der „worst case“, den man im März noch mit dem Wirtschaftsabschwung von 7,7 Prozent berechnete, wird immerhin nicht eintreten.


Davon, dass Bankrotte in naher Zukunft nicht nur nicht mehr zu verhindern sein werden, sondern darüber hinaus mit gesteigerter Häufigkeit auftreten werden, ist der Versicherer Coface überzeugt. In seiner Untersuchung stützt sich das Unternehmen auf seinen großen Bestand von Daten diverser Firmen und bezieht die bestehende finanzielle Unterstützung der Regierung mit ein. So prognostiziert man für die kommenden eineinhalb Jahre 8000 neue Konkursmeldungen, was mehr als das Doppelte der Zahl aus 2019 (3792) bedeuten würde. Mehrere Ökonomen haben, laut Trouw, bereits in jüngster Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die Staatshilfen längst nicht alle Betriebe von der Pleite verschonen könnten.


Vier Sektoren seien, so Coface, vornehmlich betroffen: Das Hotel- und Gastgewerbe und der Tourismus vor allem wegen des Mindestabstands, der Einzelhandel durch den Verlust von Kunden und seiner schon vor der Corona-Krise prekären Lage und zu guter Letzt der Transport, der starke Einbußen durch den Wegfall von Logistikaufträgen zu verzeichnen hat.


Edwin Busio, Direktor von Coface Niederlande, gibt an, dass viele Bankrotte eben deshalb noch ausstehen würden, weil Vorgänge bei Inkassobüros und Kreditversicherern noch nicht abgeschlossen seien. Er relativiert allerdings auch, dass die Zahl der Unternehmenspleiten vor der Pandemie als gering eingestuft werden kann, wodurch die jetzige Steigung nicht als zu hoch bewertet werden dürfe. Es seien nun vor allem solche Betriebe angezählt, die sich sowieso nur schwerlich über Wasser hielten: „Es ist ein Naturphänomen, dass die Stärksten überleben, auch in der Wirtschaft.“