POLITIK: Wopke Hoekstra will nicht als Spitzenkandidat des CDA zur Wahl antreten

Den Haag, SW/NOS/NRC/VK, 18. Juni 2020

Der christdemokratische CDA muss für die Parlamentswahlen im nächsten Jahr auf die aussichtsreiche Kandidatur einer seiner wichtigsten Mitglieder verzichten: Des aktuellen Finanzministers Wopke Hoekstra. Durch dessen freiwilligen Verzicht auf den Posten des Spitzenkandidaten rücken nun vor allem Gesundheitsminister Hugo de Jonge und die Staatssekretärin Mona Keijzer in den Fokus.


„Ich finde, dass ich letztendlich mehr ein Verwalter als ein Berufspolitiker bin. Ich möchte nahe bei mir bleiben“, erklärt Hoekstra seine Entscheidung gegenüber dem Boulevardblatt De Telegraaf. Seine öffentliche Erklärung erfolgte dabei zwei Tage nach einer Ermutigung des Parteivorsitzenden Rutger Ploem, sich in das Rennen der Kandidaten zu begeben. Dabei wusste Ploem bereits über Hoekstras Pläne Bescheid, da der Finanzminister ihn schon vor Weihnachten letzten Jahres informiert habe. „Damals gab es ein paar Menschen, sowohl inner- als auch außerhalb des CDA, die mir geraten haben, noch ein halbes Jahr mit der Entscheidung zu warten. Aber ich habe in der letzten Zeit, zum Beispiel im Februar, der Parteispitze das Signal gegeben, dass sie damit rechnen sollten, dass ich es nicht machen würde.“


Offensichtlich hegt er darüber hinaus zurzeit nicht mal Ambitionen, auf die Liste der Partei zu gelangen, von der die Abgeordneten, je nach Stimmenanteil, für die Zweite Kammer bestimmt werden: „Das liegt nicht unmittelbar auf der Hand.“ Gleichwohl bekräftigt er aber auch seine Zufriedenheit mit seinem aktuellen Amt als Minister. „Der Job, den ich nun habe, ist der schönste Job, den ich jemals gehabt habe.“ Die Stelle als Parteileiter wäre dahingegen etwas anderes.
Am Montag hat der CDA mit der Prozedur zur Abstimmung über einen neuen Spitzenkandidaten begonnen. Bis zum 24. Juni können sich Kandidaten melden, über deren Eignung der Vorstand entscheidet. Bei mehreren gleichwertigen Bewerbern entscheiden die Mitglieder über ihren Favoriten. Hoekstra gibt an, in jedem Fall hinter dem „Listenführer“, wie die Position in den Niederlanden auch genannt wird, zu stehen.


Von den beiden verbleibenden bekannten Namen de Jonge und Keijzer scheint ersterer bessere Karten im gemeinsamen Stechen zu haben, insoweit überhaupt der Wunsch nach der verantwortungsvollen Position besteht – bisher hielt er sich eher bedeckt. De Jonge hat durch die Corona-Krise und seine Rolle als Minister für Gesundheit einiges an Popularität hinzugewonnen, Keijzer kokettiert demgegenüber seit einer Weile offen mit ihren Ambitionen. Insgesamt, so schätzt das NRC Handelsblad die Situation ein, ist der Rückzug Hoekstras allerdings als Rückschlag für den CDA zu bewerten, da dieser auch bei der konservativ-liberalen VVD als ernstzunehmender Konkurrent für den amtierenden Ministerpräsidenten Mark Rutte eingeschätzt wurde. Hoekstra hatte zuletzt insbesondere durch seine harte Verhandlungstaktik in der gemeinsamen Finanzpolitik der EU für Aufsehen gesorgt.