GESELLSCHAFT: Immer mehr Niederländer entscheiden sich in Bezug auf Organspende

Den Haag, TA/NRC/NOS/tagesschau, 17. Juni 2020

In zwei Wochen wird in den Niederlanden das neue Gesetz zur Organspende in Kraft treten. Damit kommen prinzipiell alle Personen als Spender in Frage, sofern sie nicht ausdrücklich widersprechen. Dieser neue Ansatz scheint einen deutlichen Effekt zu haben, denn mittlerweile haben sich bereits die Hälfte der erwachsenen Niederländer im Spenderregister registrieren lassen, zeigt sich aus Zahlen der Zentralen Statistikbehörde (CBS) und des Registers selbst.

In den Niederlanden gibt es zurzeit wie in vielen anderen Ländern auch einen Mangel an Spenderorganen. Um das zu ändern, beschloss die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments in der Vergangenheit eine Reform der Organspende, die sogenannte Widerspruchslösung. Damit kommt eine Person nach deren Tod automatisch als Spender in Frage, sofern sie zu Lebzeiten nicht aktiv einer Organspende widersprochen hatte.

Seit die Gesetzesänderung beschlossen wurde, steigt die Zahl der registrierten Personen stetig. Am 2. Januar 2020 waren es 556.000 Menschen mehr als noch ein Jahr zuvor. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den letzten Jahren. Bisher haben sich mehr Frauen als Männer registrieren lassen.
34 Prozent der Registrierten haben der Entnahme von Organen nach ihrem Tod nicht zugestimmt. 11 Prozent überträgt diese Entscheidung auf ihre Angehörigen. Laut der NOS ist auffallend, dass vor allem die Zahl der widersprechenden Personen stark zugenommen hat.

Ursprünglich sollten alle Niederländer, die noch nicht im System registriert sind, ab dem 01. Juli Erinnerungsschreiben bekommen. Aufgrund der Coronakrise wird das jedoch erst ab dem 01. September geschehen. Wer sich danach nicht im System registrieren ließ, kommt theoretisch als Spender in Frage. Allerdings können Personen ihre Entscheidung jederzeit ändern, sodass ein Wider- oder Zuspruch auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist.

Auch in Deutschland wurde eine Änderung der Gesetzeslage in Bezug auf Organspende debattiert. Der Bundesrat beschloss jedoch, dass die Spende in Deutschland freiwillig bleiben wird. Allerdings sollen die Deutschen häufiger gefragt werden, ob sie sich in Bezug auf die Spenderfrage entscheiden wollen.