POLITIK: Kabinett will 10.000 Wohnplätze für Obdachlose entstehen lassen

Den Haag, SW/NOS/NRC, 04. Juni 2020

Etwa 40.000 Menschen leben in den Niederlanden ohne eine feste Bleibe. Eine Situation, die der Staatssekretär des Ministeriums für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport, Paul Blokhuis, als „unakzeptabel für eines der reichsten Länder der Welt“ beschreibt. Um die Situation zu verändern, will das Kabinett in den nächsten eineinhalb Jahren 10.000 neue Wohnmöglichkeiten für Obdachlose schaffen.


Die Anzahl der Wohnungslosen hat sich seit 2009 verdoppelt. Vor allem durch die Corona-Krise dürfte sich die Menge der Personen nochmals vergrößern. Besonders anfällige Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund laufen Gefahr, auf der Straße zu landen.


Bisher fangen karitative Hilfsorganisationen wie „Het Leger des Heils“ (dt. Die Heilsarmee) die Obdachlosen in meist großen Schlafsälen auf. Laut Blokhuis sei dieses System allerdings eingefahren und es sei eine Veränderung vonnöten, auch weil die Unterkünfte inzwischen „übervoll“ seien und die dort Aufgenommenen oft nicht wieder zu festen Wohnsitzen kämen.


In Zukunft sollen, so der Staatssekretär, Obdachlose nicht länger als drei Monate in den Zwischeneinrichtungen verbleiben. Dazu sollen 10.000 neue Wohnplätze entstehen, bei denen es sich teilweise um ganze Wohnungen und teils um Zimmer handelt, worin eine Begleitung der Bewohner gewährleistet werden kann. Für die Entstehung sollen Wohnungsgesellschaften und private Unternehmer sorgen, wobei das Konzept zwar auch Neubauten inkludiert, sich jedoch darüber hinaus auf den Umbau ehemaliger Altenheime, von Schiffscontainern oder den Bau kleiner Fertighäuser konzentriert. Wohnungssuchende, die momentan auf der Warteliste für ein Eigenheim stehen, ziehen, laut Blokhuis, keinen Nachteil aus der Regelung.


Für die Verteilung der Personen sollen anschließend die einzelnen Gemeinden zuständig sein. Dabei erwartet Blokhuis, dass zunächst ebenjene Obdachlose für die Wohnplätze in Frage kommen werden, die wenig oder keine Begleitung benötigen, um selbstständig zu wohnen. Schwerere Fälle würden wohl weiterhin auf die Hilfseinrichtungen angewiesen sein, könnten dann aber auch von einer verbesserten Lage profitieren: „Dort entsteht dann mehr Platz. Sie müssen dann keine Menschen mehr wegschicken.“ Nichtsdestotrotz sollten mittelfristig auch die auf mehr Hilfe angewiesenen Bürger eine feste Unterkunft bekommen.


Der entsprechende Gesetzesvorschlag wurde von Blokhuis am Mittwoch beim niederländischen Parlament eingereicht. Schon vorher wurde bekannt, dass das Kabinett 200 Millionen Euro investieren wird, um Ex-Obdachlose zu begleiten, zum Beispiel durch die Unterstützung beim Aufbau eines Tagesrhythmus oder der Einnahme von Medikamenten. Zudem sollen Gemeinden mehr tun, um der Obdachlosigkeit zuvorzukommen, sei es durch frühere Warnungen bei Schuldenanhäufungen oder intensivere Unterstützung nach dem Ablauf einer Gefängnisstrafe.