GESELLSCHAFT: 5,5 Prozent besitzen Antikörper – Herdenimmunität noch weit entfernt

Den Haag, TA/NRC/NOS/VK, 03. Juni 2020

Die niederländische Blutbank Sanquin hat bei ungefähr 5,5 Prozent ihrer Spender Antikörper gegen das Covid-19-Virus nachweisen können. Das zeigt, dass eine Herdenimmunität, wie sie von vielen herbeigesehnt wird, noch lange nicht in Sicht ist.

Zwischen dem 10. und 20. Mai hat die Blutbank das Blut von 7.000 Freiwilligen auf Antikörper gegen das neuartige Coronavirus untersucht. Hieraus ergab sich, dass zirka 5,5 Prozent der Beteiligten solche Antikörper im Blut hatten. Das endgültige Ergebnis der Untersuchungen steht noch nicht fest und kann möglicherweise noch einen halben Prozentpunkt höher oder niedriger ausfallen.

Anfang April wurden bei einem ersten Test bei ungefähr 3 Prozent der getesteten Personen Antikörper festgestellt. Das bedeutet, dass mittlerweile mehr Personen Antikörper aufweisen, die Zahl der immunen Personen jedoch langsamer steigt, als gehofft. Hans Zaaijer, Dozent und Mikrobiologe, sieht die Ursache darin in den Coronamaßnahmen, die eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus‘ verhindern.

Die Ergebnisse aus den Niederlanden decken sich laut der Tageszeitung de Volkskrant mit Stichproben aus anderen europäischen Ländern. Auch dort hätten rund 5 Prozent der getesteten Personen Antikörper. Nur in Regionen, in denen besonders viele Menschen betroffen waren, liegt dieser Prozentsatz höher. So beispielsweise in Madrid (10 bis 14 Prozent) oder im deutschen Gangelt (14 Prozent).

Selbst in Schweden, das bewusst so wenige Maßnahmen wie möglich einführte, um möglichst schnell Immunität aufbauen zu können, besaßen nur 7,3 Prozent der getesteten Stockholmer Antikörper. Auch der niederländische Premierminister Mark Rutte (VVD)hatte anfangs immer wieder von Herdenimmunität gesprochen und beispielsweise in einer Rede erwähnt, dass die Maßnahmen die Ausbreitung des Virus‘ abbremsen und gleichzeitig den langsamen Aufbau einer Herdenimmunität ermöglichen sollen. Die Ergebnisse von Sanquin lassen jedoch vermuten, dass eine solche Immunität jedoch noch lange auf sich warten lässt.

Laut der NOS ist es außerdem nicht sicher, dass Personen mit Antikörpern für den Rest ihres Lebens gegen eine Infektion mit dem Covid-19-Virus geschützt sind. Dabei spielen neben den Antikörpern noch andere Teile des Immunsystems wichtige Rollen.