POLITIK: 50Plus verliert einzigen Europaparlamentarier an die Christdemokraten

Den Haag, SW/NRC/VK, 03. Juni 2020

Die niederländische Oppositionspartei 50Plus zerfällt weiter in ihre Einzelteile. Nach den beschlossenen Rücktritten der Parteileiter um Geert Dales und Henk Krol wegen Konflikten mit der restlichen Führungsriege, sorgt der Parteiwechsel des einzigen Abgeordneten im Europaparlament, Toine Manders, für den nächsten empfindlichen Verlust. Jan Nagel, Topkandidat für die Nachfolge als Vorsitzender, dürften stürmische Zeiten erwarten, um die Seniorenpartei wieder auf Kurs zu bringen.


Manders, der seit 2017 für 50Plus im Europäischen Parlament saß, wechselt mit dem Gang zum christdemokratischen CDA innerhalb der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) die Seiten. „Da haben wir ihn als jemanden kennengelernt, mit dem man gut zusammenarbeiten kann“, sagt Esther de Lange, Fraktionsvorsitzende des CDA, zu der Manders, wie de Volkskrant berichtet, bereits jahrelang einen guten Kontakt pflegt. Am jetzigen Pfingstwochenende konnte er schließlich mit dem Parteivorsitzenden Rutger Ploum eine Einigung über die Zusammenarbeit erzielen.


Beweggrund dürfte neben der Überzeugungsarbeit Ploums allerdings auch die Situation innerhalb 50Plus gewesen sein. So nannte er den internen Streit, der um die Person von Geert Dales begonnen hatte und sich schließlich auch auf den Parteileiter Henk Krol ausweitete, als wichtigsten Faktor für seine Entscheidung. Auch wenn sie „als einzige Partei für die Pensionierten aufgekommen“ sei, sehe er in 50Plus keine Zukunft mehr, so Manders. Das gelegte Feuer der Gegner Dales habe das „Haus“ in Flammen gesteckt. Sein anschließendes Resümee könnte vernichtender nicht sein: „Ich will nicht in den Ruinen von diesem Haus stehen.“


Jan Nagel, Begründer von 50Plus und ehemaliger Abgeordneter der ersten Kammer, gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Dales. Bevor die Parteimitglieder am ersten August online über die Position abstimmen werden können, macht Nagel schon jetzt seinen Standpunkt zur Entscheidung Manders öffentlich deutlich und bezeichnet sie als „unbegreiflich“. Obwohl er in den letzten Wochen zwei Mal mit ihm gesprochen habe, habe Nagel ihn nicht mehr umstimmen können. „Nichts half mehr. Offensichtlich hatte er bereits Absprachen gemacht.“ Der Gang zum CDA, den er als Mitverantwortlichen für alles Schlechte sieht, das den Senioren zustößt, mache Manders „politisch komplett unglaubwürdig“, fügt Nagel an.


Als sicher kann gelten, dass dem künftigen Parteivorsitzenden, wer auch immer dies sein wird, eine schwierige Aufgabe zukommen wird, bei der der interne Konflikt von 50Plus beseitigt und zugleich die im nächsten Jahr anstehende Parlamentswahl vorbereitet werden muss.


Manders wird sich in seiner neuen Partei als „Gesandter der Älteren“ eben jener Altersgruppe widmen und dazu die Ressorts Rente und interner Markt zugesprochen bekommen. So solle die Rolle der Älteren innerhalb und außerhalb des CDA gestärkt werden, auch weil sie in der vergangenen Zeit etwas zu kurz geraten sei.


Dass der 64-Jährige zwischen 1999 und 2013 bereits für die VVD im EU-Parlament saß und er bei den Christdemokraten nun seine dritte Parteimitgliedschaft eingeht, sieht der gelernte Anwalt als unproblematisch an, solange die Belange der Wähler vertreten werden. Diesbezüglich zieht er einen Vergleich zu einem bekannten niederländischen Sportler: „Ronald Koeman hat bei PSV, Ajax und Feyenoord Fußball gespielt. Er wird überall auf Händen getragen.“