KLIMA: Wie können niederländische Städte hitzebeständiger werden?

Amsterdam, TA/NRC/HvA/amsterdam.nl, 02. Juni 2020

Nachdem sich der Klimawandel in den vergangenen Sommern deutlich bemerkbar machte, hat die Hogeschool van Amsterdam Forschungen durchgeführt und letzte Woche einen Bericht veröffentlicht, wie Städte hitzebeständiger werden können. Dabei seien vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend.

Besonders in großen Ballungsräumen ist die Temperatur deutlich höher als im Umland. Grund dafür ist, dass Gebäudeoberflächen und Straßen Hitze speichern und abends und nachts wieder an die Luft abgeben. Aus dem Bericht der HvA gehen vor allem zwei wichtige Aspekte hervor, wie Städte auch im Sommer lebenswert bleiben und Menschen gegen Hitze geschützt werden können. So hat vor allem Verdunstung einen kühlen Effekt auf die Umgebung und senkt die Temperatur. Solche Verdunstung könne vor allem durch Begrünung, Teiche und Brunnen erhöht werden. Gleichzeitig sei die Reflektion des Sonnenlichts und die Beschattung der Städte wichtig. Grüne Dächer würden hier sowohl Verdunstung erhöhen als auch das Erwärmen von Dachoberflächen verhindern. Allerdings müssten sie großflächig umgesetzt werden, um einen spürbaren Effekt zu erzielen. Als Faustregel gilt, dass eine Zunahme des Stadtgrüns um 10 Prozent eine Temperatursenkung um 0,5 Grad bewirkt. Dabei bietet ein Mix aus grünen Dächern, Parks, Grasflächen und Bäumen die besten Voraussetzungen.

Gleichzeitig bewirkt Beschattung auch, dass die gefühlte Temperatur deutlich gesenkt wird. Im vergangenen Sommer maßen die Wissenschaftler an sechs Standorten in Amsterdam die Luftfeuchtigkeit, Strahlung, Lufttemperatur und die Windgeschwindigkeit und fanden heraus, dass die gefühlte Temperatur im Schatten 14 Grad niedriger war, als in der Sonne. Daher sollte jeder Stadtbewohner innerhalb von 300 Metern einen solchen „kühlen Fleck“ erreichen können, rät der Bericht den niederländischen Gemeinden. Außerdem müssten wichtige Wegstrecken zu 30 bis 40 Prozent beschattet werden. Wo das Anpflanzen von Bäumen aufgrund des fehlenden Platzes nicht möglich ist, könnten Sonnensegel helfen.

Die Ergebnisse der Studie passen gut zum Mitte Mai vorgestellten Konzept Groenvisie 2050. Een leefbare stad voor mens en dier (deutsch „Grüne Vision 2050. Eine lebenswerte Stadt für Mensch und Tier"), in dem die Gemeinde Amsterdam einen Plan darstellt, wie sie grüner werden kann. Laut Gemeindevorstand Laurens Ivens (SP) trägt eine grünere Stadt nicht nur zum Kampf gegen Hitze und zur Bereicherung der Biodiversität bei, sondern fördert auch das soziale Wohlbefinden und die Gesundheit der Bewohner.

Da viele Einwohner Amsterdams wegen der Coronakrise notgedrungen zuhause bleiben mussten, seien in Zusammenarbeit mit der Gemeinde bereits 15.000 Kacheln bzw. Bodenplatten entfernt und der freigewordene Platz bepflanzt worden, berichtet die Tageszeitung NRC Handelsblad. Dadurch sei die Stadt Amsterdam bereits deutlich grüner als noch vor der Krise.