GESELLSCHAFT: Fünf Surfer sterben am Strand von Scheveningen

Scheveningen, SW/NOC/NRC/VK, 13. Mai 2020

Am Montagabend sind fünf Surfer am Strand der niederländischen Stadt Scheveningen im Tosen der Wellen tödlich verunglückt. Der Vorfall ruft nicht nur eine große öffentliche Anteilnahme, sondern auch einige Fragen nach den Unfallursachen auf, da es sich bei den Opfern um eigentlich geübte Sportler handelte.


Normalerweise sind starker Wind und hohe Wellen die gewöhnlichen Voraussetzungen für die Surfenthusiasten an der Nordsee. Auch der Notruf, der um kurz nach neunzehn Uhr bei den Rettungsdiensten einging, war Teil der alltäglichen Routine, bekommen sie doch die Meldung von in Gefahr geratenen Wassersportlen des Öfteren. Die Situation, die sie allerdings bei der Ankunft am Ort des Geschehens erwartete, war eine andere als sonst. Gleich sieben Personen mussten aus dem Wasser geborgen, zwei davon noch am Strand reanimiert werden – vergeblich. Aufgrund der einbrechenden Dunkelheit konnten die Sucharbeiten erst bei Tagesanbruch fortgesetzt werden. Am nächsten Morgen brach dann die Gewissheit herein: Zwei weitere Körper konnten aus dem Meer gezogen, ein dritter zumindest gesichtet, jedoch nicht geborgen werden. Hier erwarte man, dass der Leichnam bald angespült werde, so ein Sprecher der Küstenwache. Klar sei aber: „Zu einem bestimmten Zeitpunkt muss man die schwierige Entscheidung fällen, die Suche zu beenden.“


„Es waren fitte und sportliche Menschen, die das Meer an diese Stelle wie ihre Westentasche kannten.“, sagt Scheveningens Bürgermeister, Johan Remkes, ungläubig gegenüber den Pressevertretern. Die verstorbenen Männer, alle zwischen 22 und 38 Jahren alt, kamen aus Den Haag und Delft. Sie galten als erfahrene Surfer und Schwimmer, nahmen an Rettungskursen teil und galten nicht als leichtsinnig.


Unklar ist bisher, ob sie sich im Wasser befanden, weil sie Schwimmen, Surfen oder sogar Bodysurfen (ohne Brett) wollten. Demgegenüber scheint sicher, dass sie teils individuell, teils in Gruppen, auf jeden Fall unabhängig voneinander, in Gefahr geraten waren. Wie es genau zu dem Unglück kam, solle in der nächsten Zeit gründlich aufgeklärt werden, verspricht Remkes. Dabei sei vor allem von Interesse, wie erfahrenen Sportlern an dem bekannten Ort etwaiges passieren und zur gleichen Zeit an einer hundert Meter weiter entfernten Stelle alles seinen gewohnten Gang nehmen konnte.


Kees Brinkman, Sprecher der Königlichen Niederländischen Rettungsgesellschaft (KNRM), nennt die starke Schaumentwicklung der letzten Tage einen „beachtenswerten Faktor“, jedoch müsse hier noch untersucht werden, welche Rolle dieser gespielt habe. Laut Tobias van Tellingen, Administrator der Webseite surfweer.nl und Kenner der niederländischen Surfspots, war es trotz des starken Windes eigentlich ungefährlich, zu surfen. In Scheveningen sei es allerdings zum Zeitpunkt des Unglücks riskant gewesen: „Der Wind wehte parallel zur Küste und dann ist es lebensgefährlich ins Wasser zu gehen.“ In diesem Falle richte sich die Strömung zum Meeresinnern hin, führt er weiter aus. Falls die Männer zum Bodysurfen im Wasser verweilten, könne auch dies ein wichtiger Faktor gewesen sein, da ohne das Surfbrett eine wichtige Hilfe wegfallen würde, um sich über Wasser zu halten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine Kombination der Umstände jedenfalls nicht auszuschließen.