KULTUR: Restauration der Nachtwache verzögert sich – Mega-Foto spendet Trost

Amsterdam, SW/NOC/NRC, 13. Mai 2020

Bereits seit Juli 2019 wird das weltberühmte Gemälde „Die Nachtwache“ von Rembrandt van Rijn im Amsterdamer Rijksmuseum aufwendig untersucht, um es anschließend restaurieren zu können. Durch die Corona-Krise kamen die Arbeiten in den letzten beiden Monaten vollständig zum Erliegen, wodurch sich der Beginn des zweiten Instandsetzungsabschnitts verzögern wird. Kunstliebhaber werden nun allerdings mit einer hochauflösenden Abbildung des Meisterwerks vertröstet.


Das Foto besteht aus 24 Reihen, wovon jede 22 Bilder beinhaltet und setzt sich aus 44,8 Megapixeln zusammen. Durch den minimalen Abstand von 0,02 Millimetern zwischen den einzelnen Pixeln wird es möglich, bei der Vergrößerung der Illustration einzelne Pinselstriche und sogar Pigmentteile der Farbe zu entdecken. Laut dem Rijksmuseum sei das Foto „die detaillierteste Abbildung, die je von einem Kunstwerk in diesem Format gemacht worden ist.“ Der Anlass für die Erstellung des Bildes war ein wissenschaftlicher: Als Nullmessung dient es in der Zukunft als Vorlage, um Alterungsprozesse des Gemäldes identifizieren zu können.


Eigentlich sollte die Restauration der Nachtwache schon im August dieses Jahres beginnen, doch da diese Zielvorgabe unter den neuen Umständen nicht mehr erreicht werden kann, wurde dieser Termin zunächst erstmal auf den Januar 2021 verschoben. Grund dafür ist auch, dass in der gläsernen Vitrine, in der die Besucher des Museums die Arbeiten für gewöhnlich mitverfolgen können, aufgrund der Corona-Bestimmungen und des damit verbundenen Mindestabstands ab heute lediglich zwei Personen gleichzeitig arbeiten dürfen. Immerhin beginnen diese nicht wieder beim letzten Stand vor der Schließung: die Untersuchungsarbeiten liefen im Homeoffice weiter. Die Verzögerung stellt sich dennoch als unausweichlich dar. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, wolle man keinen Zeitdruck entstehen lassen, sagt ein Sprecher vom Rijksmuseum.


Die Instandsetzung der Nachtwache läuft bald seit einem Jahr. Allein die Kosten der ersten, jetzt laufenden Untersuchungsphase wurden im Vorhinein auf etwa 3 Millionen Euro geschätzt. Wann die Restauration fertiggestellt ist, bleibt noch unklar.


Das Rijksmuseum darf ab dem ersten Juni wieder seine Pforten öffnen. Pro Tag ist es dann 2000 Besuchern erlaubt, insofern sie vorher ein Ticket reserviert haben, die Ausstellung zu durchlaufen. Dies sind 5400 weniger als im täglichen Durchschnitt des Vorjahres.

Mehr Informationen und der entsprechende Link zu dem beschriebenen Foto sind auf der Webseite des Rijksmuseums (Englisch) zu finden.