GESELLSCHAFT: Radioprogramm muss wegen Morddrohungen eingestellt werden

Den Haag, SW/NOC/NRC/VK, 06. Mai 2020

Ein Programm für fastende Muslime während des Ramadans, in dem gegen Mitternacht Musik gespielt wird und Glaubensgenossen zu Wort kommen - das war die eigentliche Idee des niederländischen öffentlich-rechtlichen Radiosenders FunX, der sich besonders an junge Menschen richtet. Nun mussten sich die Verantwortlichen allerdings eingestehen, dass die Gefahr für die eigenen Mitarbeiter, aufgrund etlicher Drohungen, zu groß geworden und die Einstellung der Abendsendung alternativlos ist.


„Es ist ein Programm, worin wir das Schöne am Ramadan betonen wollen. Ins Rampenlicht setzen [wollen; Anm. d. Red.].“, sagt der Moderator von Ramadan Late Night, Morad El Ouakili. „Das Schöne ist weg, wenn ich das Studio mit zwei Sicherheitsleuten verlasse, die bis zu mir nach Hause mitfahren. Dann hört es auf.“ Auch FunX äußerte sich in einer offiziellen Stellungnahme und merkte an, dass besonders der nicht mehr zu gewährleistende Schutz der Mitarbeiter für den Abbruch ausschlaggebend gewesen sei: „Eine für uns unakzeptable Folge einer Initiative, die dazu bestimmt war, Menschen zusammen zu bringen.“


Der Grund der Drohungen lag wohl darin, dass einige Rezipienten Ramadan und Musik als nicht vereinbar miteinander betrachteten, da letztere ihrer Meinung nach nicht zum Islam gehöre. Gegenüber der NOS erklärte die Islamologin Nora Asrami von der Freien Universität Amsterdam, dass Musik sehr wohl ein Teil des religiösen Festes sei. Interpretationsspielraum bestünde allerdings darin, ob nur traditionelle Musik oder jedwede Form gemeint sein würde. Im vergangenen Jahr, als Ramadan Late Night zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, blieben die heftigen Reaktionen jedenfalls noch aus. Im Gegenteil: Der Radiosender beschloss, das Programm zur aktuellen Fastenzeit wegen der „vielen positiven Reaktionen“ fortzusetzen.


Thomas Bruning, Generalsekretär der niederländischen Vereinigung für Journalisten, zeigte sich mitgenommen von den Neuigkeiten: „Das ist das tiefgreifendste Beispiel von dem, was man in den Niederlanden nicht hören will. Ein Programm mit guten Absichten fühlt sich wegen Morddrohungen dazu gedrängt, aufzuhören. Das sind schreckliche Nachrichten.“ Weiter plädierte er dafür, dass die Täter nicht ungestraft davonkommen dürften, da man ansonsten so etwas wichtiges wie die Pressefreiheit nicht gewährleisten könne. Hierbei bekommt er auch aus der Politik Unterstützung. Peter Kwint, Parlamentsmitglied der Socialistische Partij (SP) forderte am Dienstag den zuständigen Minister für Medien, Arie Slob (ChristenUnie) dazu auf, Fragen zu beantworten, inwieweit den bedrohten Mitarbeiten von FunX Hilfe angeboten wurde. Dabei beruft er sich auf einen früheren Beschluss, nach dem von Drohungen betroffenden Journalisten Unterstützung angeboten werden müsse.


El Ouakili erstattete bereits in der letzten Woche Anzeige. „Wir nehmen dies ernst und untersuchen die Sache“, ließ ein Sprecher der Polizei wissen. Der Moderator gab an, dass er nicht vor den Drohungen habe zurückweichen wollen und den Abbruch als schmerzvoll empfinde. Nichtsdestotrotz sei ihm auch klar gewesen, dass die Unversehrtheit seiner Kollegen schwerer gewogen habe. FunX gab indes zu verstehen, dass es in der letzten Zeit auch Zuhörer gegeben habe, die in einer „respektvollen Art“ erläutert hätten, warum sie den Namen Ramadan Late Night unangepasst finden würden. „Das Feedback nehmen wir ernst. FunX ist immer offen für Kritik“, so der Sender weiter.