MH17: Neue Erkenntnisse über hochrangigen russischen Strippenzieher

Den Haag, SW/NRC/Spiegel online/VK, 29. April 2020

Der Absturz der Passagiermaschine des Flugs MH-17 jährt sich im Juni dieses Jahres zum sechsten Mal und noch immer sind die Hintergründe des Unglücks, bei der 196 Niederländer ihr Leben verloren, nicht vollends aufgeklärt. Die Investigationsplattform Bellingcat gibt nun an, zusammen mit der russischen Nachrichtenseite The Insider, die Identität eines führenden Geheimdienstlers enthüllt zu haben, der am Transport der Buk-Rakete beteiligt war, womit das Flugzeug abgeschossen wurde.


Während der Prozess von vier Beschuldigten, die als mutmaßliche Beteiligte des Anschlags auf das Zivilflugzeug seit vergangenem März vor dem Gericht in Schiphol stehen, in vollem Gange ist, wird weiter nach den Strippenziehern des Unternehmens gesucht. Die Angeklagten fungierten nämlich laut dem ermittelnden Joint Investigation Team (JIT) nur als einzelne Glieder einer Kette. Deshalb veröffentlichte es bereits Ende letzten Jahres einen Zeugenaufruf mit mehreren Telefongesprächen, in denen der Name „Vladimir Ivanovitsj“ mehrmals zu hören war, mit der Hoffnung, mehr über die Identität dieses Mannes zu erlangen. Es scheint nun als erwiesen, dass sich unter dem Preudonym Andrej Ivanovitsj Boerlaka verbirgt, der Kopf des operativen Stabs des Grenzschutzes des Inlandsgeheimdienstes und gleichzeitig Stellvertreter des Leiters des FSB-Grenzschutzes - ein hochrangiger General also.


Dies ginge laut Bellingcat aus aufgenommenen Gesprächen zwischen Leitern der Separatisten mit ihren russischen Kontakten hervor. Die Enttarnung des ominösen Vladimir Ivanovitsj sei durch die Entschlüsselung seiner Telefonnummer, gehackten Nachrichten russischer Separatisten und durch einen Stimmenvergleich, den auch die BBC durchgeführt hat, gelungen. Der Inhalt der Unterredungen gibt eindeutige Hinweise darauf, dass Boerlaka mit dem Befehl über die pro-russischen Separatisten und der Lieferung von Waffen und Munition vertraut war. Ob er auch zum Tod der MH-17-Passagiere beigetragen hat, ist allerdings noch unklar und Bedarf weiterer Untersuchungen.


Dmitri Peskov, Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, gab bei Nachfrage an, „nicht zu wissen, worum es geht“. Das niederländische Außenministerium teilte mit, die Publikationen „mit Interesse“ zur Kenntnis genommen zu haben, ließ sich aber zu keiner aussagekräftigeren Reaktion hinreißen.