POLITIK: Geert Dales und restlicher Vorstand treten bei 50Plus zurück

Den Haag, SW/NOC/NRC/VK, 29. April 2020

Der Konflikt innerhalb der Partei 50Plus schwelte bereits seit Anfang April, nun hat ihr Vorsitzender Geert Dales seine Konsequenzen gezogen und verkündet, von seinem Amt zurückzutreten. Im Vorfeld hatten mehrere Fraktionsmitglieder des Parlaments einen Pressebericht verfasst, in dem sie dem 68-Jährigen ihr Vertrauen entzogen.


Neben Dales scheidet auch der Rest des Vorstandes der Seniorenpartei, bestehend aus Robert Gielisse und Bert Kannegieter, aus der Position aus. Trotzdem werden sie die Parteiführung noch so lange innehaben, bis ihre Nachfolger mittels eines elektronischen Onlineverfahrens gewählt worden ist. „Kein normaler Mensch will das“, gab Dales bezogen auf die Situation zu verstehen, fügte jedoch an, dass ein Teil der Beziehungen in der gemeinsamen Zusammenarbeit nicht mehr „lebensfähig“ seien. Der wichtigste Grund lag laut dem Noch-Vorsitzenden aber im privaten Bereich. Ein Versprechen an seine Ehefrau nach seiner durchstanden Depression „für immer die Sonne im Haus zu sein“, habe er nun nicht mehr erfüllen können und daraufhin die Reißleine gezogen.


In der Partei herrsche „eine Kultur von anhaltenden Verdächtigungen, Lästerkampagnen und ein Leck in der vertraulichen Korrespondenz“, wovon prominente Parteivertreter, wie Ehrenvorsitzender Jan Nagel und verschiedene Fraktionsmitglieder, betroffen wären, rechnete Dales ab. Parlamentsmitglied Corrie van Brenk, die die Ereignisse durch die Veröffentlichung einer vertraulichen Mail entscheidend anfeuerte, gibt sich nun zufrieden: „Inzwischen waren wir ungefähr 90 Mitglieder in gewählten Ämtern, die gesagt haben: das kann so wirklich nicht weitergehen.“ Das undeutliche Vorgehen bei der Vorbereitung der Wahlen des niederländischen Parlaments, sowie das „autokratische“ Vorgehen Dales, gepaart mit „grobem Sprachgebrauch“, bildeten die Grundlage der Kritik (NiederlandeNet berichtete). Dieser ist wiederum davon überzeugt, dass die Partei zukünftig „wie ein Kartenhaus“ einfallen werde und dass die Topkandidaten von 50Plus dies bereits bei den kommenden Wahlen am eigenen Leib spüren würden.


Was die Geschehnisse für den Parteivorsitzenden Henk Krol bedeuten könnten, der als einer der letzten Unterstützer Dales galt, bleibt noch unklar. Gefragt, ob er mit ihm zusammen einen anderen Weg einschlagen wolle, hielt er sich bedeckt: „Ich will da erst einmal sehr gut drüber nachdenken können.“ Von den Fraktionsmitgliedern, wie van Brenk, gibt es jedenfalls keine Einwände zur Fortsetzung seiner Aufgaben bei 50Plus: „Sachlich können wir hervorragend miteinander arbeiten.“


Die Seniorenpartei befindet sich seit Jahren in unregelmäßigen Abständen durch interne Streitigkeiten im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Zu einem früheren Zeitpunkt dieses Jahres traten schon sieben der acht Mitglieder des Vorstandes, wegen Unstimmigkeiten über den Leitungsstil und über die Arbeitsweise der Kollegen, zurück. 2018 sollte darüber hinaus die andere Hälfte des Vorstands durch ein Mitgliedervotum entlassen werden, während 2014 ein Konflikt der Fraktion zu einer internen Teilung führte. Dales wurde 2018 auch deshalb zum stärksten Mann der Partei gewählt, weil er mit dem Versprechen von „Ruhe und Stabilität“ für eine ausgewogenere Umgangsweise sorgen sollte. Dass ihm dies nicht gelang, lag nicht zuletzt an seiner emotionalen Art der Kommunikation.