KLIMA: Kann die niederländische Wirtschaft durch Corona grüner werden?

Den Haag, TA/NRC/Trouw/tagesschau.de, 28. April 2020

Nachdem die erste Ausbreitung des Covid-19-Virus‘ in den Niederlanden verlangsamt werden konnte, werden in der niederländischen Politik, so wie auch in Deutschland, wieder verstärkt andere Themen diskutiert, wie etwa die immer noch anhaltende Stickstoffkrise oder der Klimawandel. Minister Wiebes sieht Chancen, den Wiederaufbau der Wirtschaft mit Nachhaltigkeit zu kombinieren.

Der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte in einem interview mit dem Berliner Tagesspiegel angemerkt, dass die Coronakrise die Chance biete, in der Vergangenheit gemachte Fehler zu korrigieren, denn nicht nur die Pandemie sei ein Problem, sondern beispielsweise auch der Klimawandel. Auch in den Niederlanden steht diese Thematik wieder auf der politischen Agenda. Laut der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad betrachte das Kabinett derzeit die Möglichkeiten eines Green Recovery. Minister Eric Wiebes (Wirtschaft, VVD) sagte in der Zweiten Kammer, dass noch vor dem Sommer deutlich sein muss, wie die die Maßnahmen zur Reparatur oder Wiederherstellung der Wirtschaft und Unternehmen gleichzeitig auch die „Vergrünung“ der Wirtschaft fördern können. Er sei auf der Suche nach einer Strategie, mit der der Wiederaufbau der Wirtschaft Hand in Hand mit der Energiewende gehen könnte.

Maarten van Poelgeest, der im Zuge des Klimaabkommens den nachhaltigen Umbau von Häuser, Schulen und Büros koordiniert, glaubt, dass der wirtschaftliche Abschwung durch die Coronakrise die Wende beschleunigen kann, da die Umstellung von Erdgas auf andere Energieformen sowieso durchgeführt werden muss. So müssen bis zum Jahr 2030 1,5 Millionen niederländische Haushalte auf Energie aus anderen Quellen umgestiegen sein.

Das NRC Handelsblad schreibt weiterhin, dass die niederländische Regierung durch die Coronakrise gezeigt habe, dass sie in der Lage ist, schnell wirksame Maßnahmen durchzusetzen, wenn es notwendig ist. Genau wie beim Klimawandel hätten Wissenschaftler bereits seit längerem vor der Gefahr einer Pandemie für die Bevölkerung gewarnt, jedoch hätten Politiker ihnen nicht zugehört. Das gelte sogar in noch stärkerem Ausmaß für den Klimawandel. Daher ließen sich aus der Coronakrise durchaus Lehren ableiten.

Während die Wirtschaft derzeit unter der Krise leidet, sei die Natur laut der Tageszeitung Trouw ein Gewinner des Lockdowns. So sei vor allem die Luftqualität in dicht besiedelten Gebieten der Niederlande, wie etwa der Randstad, durch den verminderten Verkehr deutlich besser als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Vor allem der Feinstaubgehalt in der Luft sei deutlich geringer, was sich positiv auf die Gesundheit der Menschen auswirke, so Trouw weiter. Allerdings liege die Verbesserung der Luftqualität nicht nur daran, dass rund 40 Prozent weniger Autos fahren, sondern auch an dem Wetter der vergangenen Wochen, wodurch Feinstaub und andere Stoffe leichter in höhere Luftschichten aufsteigen konnten.