GESELLSCHAFT: Brandanschlagsserie auf niederländische Sendemasten setzt sich fort

Den Haag, SW/NOS, 23. April 2020

In der vergangenen Nacht ist in den Niederlanden erneut ein Sendemast in das Visier von Brandstiftern geraten. Mittlerweile sucht die Polizei nach den Tätern in 18 Fällen, wovon der erste auf Anfang April zurückfällt. Obwohl es noch keinerlei Erkenntnis über das Motiv der Unbekannten gibt, wird vermutet, dass die neue 5G-Technologie mit den Vorkommnissen in Verbindung stehen könnte.


Die Brände entstanden unter anderem in Rotterdam, Groningen, Deurne und Vlissingen. Es wird geschätzt, dass der Schaden bereits jetzt eine mindestens sechsstellige Summe aufweist. Dass ein technisches Versagen inzwischen ausgeschlossen werden kann, liegt nicht nur an der Häufigkeit der Vorfälle, sondern auch an dem offensichtlich gezielten Vorgehen der Täter: Die Flammenentwicklung beginnt meistens zuerst an den unten liegenden Kabeln. Nichtsdestotrotz herrscht Unklarheit darüber, ob die Taten miteinander in Verbindung stehen.


Besonders gefährlich werden die Brände durch den Umstand, dass niemand mehr unter der Notrufnummer 112 erreicht werden kann. Der Telefonempfang innerhalb eines Umkreises von fünf Kilometern wird lahmgelegt. Der Minister für Justiz und Sicherheit, Ferdinand Grapperhaus, sieht die Geschehnisse deshalb auch als „Anschlag auf unsere Rettungsdienste und damit unsere Gesellschaft“. Er gab zu verstehen, dass die Telefonleitungen für die Hilfsinstitutionen „lebenswichtig“ seien.


Der NCTV, die niederländische Institution für Terrorismusbekämpfung und Sicherheit, stuft die Brandstiftungen als eine „besorgniserregende Entwicklung“ ein. Er zieht in Betracht, dass die Anschläge von Aktivisten der Anti-5G-Bewegung ausgeübt wurden, die die Einführung der Technologie verhindern wollen – auf einen der abgebrannten Sendmasten war „Fuck 5G“ gesprüht worden. Grapperhaus stellte jedoch klar, dass die Masten noch gar nicht für die schnellere Sendetechnik benutzt werden würden.


Die 5G-Gegner behaupten, dass mit der innovativen Technologie enorme Gesundheitsrisiken verbunden wären, worunter Krebs, Alzheimer und Unfruchtbarkeit. Diese Behauptung blieb allerdings bisher eines wissenschaftlichen Beweises schuldig. Der Leiter des Kommunikationsnetzwerks und das niederländische Gesundheitsinstitut RIVM hatten dieses Jahr eine Studie durchgeführt, deren Ergebnis es war, dass die Strahlung unter den europäischen Maxima bleibe. Darüber hinaus betonen Wissenschaftler, dass die 5G-Strahlung, naturwissenschaftlich gesehen, äquivalent zur jetzigen 4G-Strahlung wäre.


Das Problem der Brandstiftung an Sendemasten existiert gegenwärtig auch in Großbritannien, wo bisher etwa 20 Brände stattfanden. Dort wird vor allem im Internet die Verbreitung des Coronavirus mit der 5G-Technik in Verbindung gebracht und spekuliert, dass ein zukünftiger Impfstoff Mikrochips enthalte. „Elektromagnetische Felder können keinen Virus verbreiten“, stellt Fred Woudenberg von der Wissensplattform Elektromagnetische Felder allerdings klar.