POLITIK: Corona-App braucht mehr Zeit, soll aber weiterhin kommen

Den Haag, SW/NOS/NRC/VK, 22. April 2020

Am 7. April kündigte das Kabinett sie bereits an, am vergangenen Wochenende sollte die Corona-App in einer Art öffentlichem Wettkampf von Entwicklern ermittelt werden. Das einzige was folgte, war allerdings das Eingeständnis von Gesundheitsminister de Jonge am gestrigen Dienstag, dass keines der Programme den Anforderungen gerecht geworden ist. Der Gesundheitsbehörde GGD wurde nun der Auftrag erteilt, neue epidemiologische Bedingungen für das Projekt aufzustellen.


Verschiedene Experten aus den Gebieten Epidemiologie, Gesundheitswesen, Privatsphäre, Informationssicherung und IT sollten 63 Vorschläge in kürzester Zeit beurteilen. Die Endauswahl von 7 Apps war aber bereits im Vorhinein des sogenannten „Appathons“ zum Scheitern verdammt: „Wir haben keine wirkliche Ahnung, wie diese Liste zustande gekommen ist“, sagte einer der Sachkundigen. Vor allem auf dem Gebiet der Privatsphäre und Datensicherung konnte anschließend auch keiner der Kandidaten genügen. De Jonge wollte letztlich trotzdem nur Positives aus dem Scheitern ziehen: „Die öffentliche Prüfung hat deutlich gemacht, was noch zu tun ist.“


Der Gemeentelijke Gezondheisdienst (dt.: Kommunaler Gesundheitsdienst) soll mit der Unterstützung des RIVM als niederländisches Gesundheitsinstitut, Virologen und Epidemiologen die Pläne nochmals überdenken. So soll das eigentliche Ziel, möglicherweise infizierte Personen schneller aufzuspüren und zu warnen, doch noch erreicht werden. Eine neue Taskforce wird untersuchen, ob unerwünschtes gesellschaftliches Verhalten durch die App gefördert werde. Vertreter aus allen relevanten Gebieten, von Rechtsfragen bis zur Inklusion, werden in die Planungen einbezogen. Die angedachte Option, eine Kontaktaufnahme zu Ärzten über die Applikation zu ermöglichen, wird ebenfalls überprüft. In vier Wochen will de Jonge dann einen Beschluss fassen, ob die Einführung einer App möglich ist.


Die Entwicklung wird dabei als „Open-source“-Projekt durchgeführt. Dies bedeutet, dass der Code der Software zugänglich gemacht wird, wodurch Freiwillige daran mitarbeiten können. Dies solle laut de Volkskrant begünstigen, dass sich mehr Bürger die App herunterladen. Daneben sei der Open-source-Ansatz für ein derartiges Vorhaben von großem Nutzen, sagt der Experte Edo Plantinga: „Wenn es so einfach wäre, würde die App bereits da sein. Der durchschnittliche Programmierer kann dies nicht. Man benötigt Spezialisten auf mehreren Gebieten.“


Ministerpräsident Rutte forderte für das Programm feste Vorgaben, an die die Technik anknüpfen müsse. Darunter zählt unter anderem der Abstand, den man zu einem Infizierten gehabt haben muss, bis man eine Warnung erhält und wie diese Distanz gemessen wird. Von den meisten Entwicklern ist dafür die Bluetooth-Technologie vorgesehen, über deren Genauigkeit jedoch Zweifel herrschen. Unpräzise Angaben könnten nicht nur die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen, sondern auch zu mehr Arbeit führen, wenn dadurch mehr Menschen umsonst getestet werden würden. In jedem Fall sieht Rutte die bisherigen Unternehmungen, trotz der vielen Kritik, als konstruktiv an: „Wenn man 1964 einen Zeitungsartikel über die Reise zum Mond geschrieben hätte, wäre dieser auch nicht positiv gewesen.“ Die Frage, ob man denn gänzlich ohne Applikation auskommen könnte, findet er darüber hinaus „schwierig“: „Mein Bild ist, dass die App schon sehr wichtig ist.“