KLIMA: Regierung bereitet sich auf Dürre vor

Den Haag, TA/NOS/VK, 21. April 2020

In den Niederlanden wie auch in Deutschland ist die Coronakrise derzeit eines der wichtigsten Themen in der öffentlichen Berichterstattung. Die Priorität der Regierung waren in der letzten Zeit die Verlangsamung des Virus' und die Konsequenzen für Privatpersonen und Wirtschaft. Dadurch rücken andere Themen naturgemäß in den Hintergrund, wie etwa das momentan sehr trockene Wetter, das vermutlich zu einem ähnlich trockenen Sommer wie in den letzten zwei Jahren führen wird.

Obwohl die ersten beiden Monate dieses Jahres alles andere als trocken waren, fällt in den Niederlanden seit März kaum noch regelmäßig Regen. Die NOS berichtet, dass sich das Kabinett bereits auf einen weiteren Dürresommer einstelle. Laut Landwirtschaftsministerin Carola Schouten (ChristenUnie) schaue das Landwirtschaftsministerium zusammen mit dem Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, welche Maßnahmen für den anstehenden Sommer getroffen werden können. Dabei sollen die Maßnahmen, die bereits im vergangenen Jahr beschlossen worden sind, ausgebaut und erweitert werden.

In manchen Gegenden der Niederlande wird wegen des ausbleibenden Regens bereits von „Dürre“ (niederländsich droogte) gesprochen. Diese macht sich besonders auf sandigen Böden bemerkbar, wie sie etwa in Groningen, Drenthe und in Twente häufig vorkommen. Die niederländische Feuerwehr muss schon jetzt häufiger als sonst ausrücken, um Heide- oder Waldbrände zu löschen. Seit letzter Woche gilt in den Niederlanden ein erhöhtes Naturbrandrisiko.

Eigentlich sind die Niederlande eher für den Kampf gegen das Wasser als für den Kampf gegen Dürre bekannt. „Die Niederlande sind seit jeher auf das schnelle Abführen von Wasser eingerichtet“, so Ruud Bartholomeus von Wasserforschungsinstitut KWR in der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant. Überschwemmungen kämen schnell und seien danach auch schnell wieder verschwunden, Dürre sei jedoch ein Meuchelmörder, der sich erst sehr spät bemerkbar macht und dessen Folgen noch lange zu spüren sind. So würden manche Gegenden der Niederlande immer noch unter dem Dürresommer 2018 leiden.

Laut Bartholomeus fehle es in den Niederlanden an einer zentralen Verwaltung im Kampf gegen die Trockenheit. Die niederländische waterschappen, welche die Verwaltung der Wasserwirtschaft regeln, konzentrieren sich beispielsweise stark auf den Grundwasserspiegel und seine Folgen für die Landwirtschaft, während die Trinkwasserversorgung von den Provinzen geregelt werde.

Anstatt Wasser so schnell wie möglich abzuführen, müsse es laut Bartholomeus lokal festgehalten und gespeichert werden, sodass es bei Dürre in das Grundwasser sinken könne. Chancen im Kampf gegen die Trockenheit sieht er auch in der Wiederaufarbeitung von Abwasser aus der Industrie. Ein niederländischer Bierhersteller experimentiert zurzeit bereits mit einer solchen Aufarbeitung seines Abwassers, dass dann der Landwirtschaft zugeführt werden kann.