WIRTSCHAFT: Viele junge Niederländer verlieren wegen Corona ihren Job

Den Haag, SW/NRC/Trouw, 16. April 2020

Trotz der beschlossenen Maßnahmen der niederländischen Regierung zur Unterstützung der eigenen Wirtschaft haben im letzten Monat über 17.000 Bürger ihre Arbeit verloren. Daneben steigt auch die Anzahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung. Vor allem Jüngere sind betroffen.


Das zuständige Amt UVW zählte im Monat März fast 38.000 neue Bewilligungen für unterstützende Sozialzahlungen. Dies bedeutet einen Anstieg von 11.000 Anfragen und rund 42 Prozent gegenüber Februar. In der ersten Hälfte des Monats sei noch keine große Entwicklung zu sehen gewesen, aber „danach veränderte sich alles“, sagt Rob Witjes, Arbeitsmarktbeobachter des UVW. Auch Peter Hein van Mulligen, Ökonom des niederländischen Statistikamts CBS, sieht eine „deutliche Entwicklung“. Vor allem Jüngere unter 25 Jahre sind betroffen, während das Hotel- und Gastgewerbe, die Logistik und der Kultursektor das meiste Personal entlassen mussten. Auch die Anzahl der Jobangebote hat um ein Viertel abgenommen.


Mehr als 7.500 Personen zwischen 15 und 25 Jahren haben eine Unterstützung angefordert - ein Steigerung von 185 Prozent zum Vormonat. Um solche Entwicklungen zu verhindern, hatte der Staat eigentlich eine Subventionsregelung eingeführt, nach der Unternehmen bis zu 90 Prozent der Lohnkosten erstattet bekommen, wenn sie einen Umsatzverlust von mindestens 20 Prozent erwarten (NiederlandeNet berichtete). Für Festangestellte scheint das System auch zu greifen. Problematisch wird es allerdings für viele junge Arbeitskräfte, die flexible Verträge besitzen, wie sie in den Niederlanden üblich sind. Insbesondere im Hotel- und Gastgewerbe werden gern Arbeitsmodelle genutzt, in denen die Mitarbeiter nur nach Bedarf beschäftigt werden. Die staatliche Unterstützung verbietet es nicht, solche flexiblen Arbeitskräfte abzulehnen, sondern nur, dauerhaft Beschäftigte zu entlassen.


Die offizielle Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent bleibt dagegen unerwarteterweise, gegenüber dem Februar, gleich. Peter Hein van Mulligem erklärt, dass dies vor allem statistische Gründe habe. Arbeitslose, die nicht direkt nach neuer Arbeit suchen oder nicht angeben, für eine neue Stelle verfügbar zu sein, werden nicht zu den offiziellen Zahlen dazugezählt. Für einen aussagekräftigen Wert sorgt nichtsdestotrotz der prozentuale Anteil derjenigen, die Arbeit haben. Dieser ist von 69,3 auf 69,1 Prozent, oder anders: um 17.000 Menschen, gefallen. „Das letzte Mal, dass wir so einen starken Abfall sahen, war im März 2014“, so van Mulligem. Damals gab die Finanzkrise den Ausschlag.

Rob Witjes sieht es als wichtig an, dass möglichst viele Unternehmen, auch unter der Zuhilfenahme staatlicher Subventionen, ihre Arbeitskräfte halten können. Da es bis zuletzt immer wieder Engpässe auf dem Arbeitsmarkt gab und Betriebe Schwierigkeiten hatten, Personal zu finden, geht er von einer ähnlichen Situation nach der Coronakrise aus. Nun entlassene Personen könnten sich neue, branchenferne Stellen suchen, wodurch sie verloren gingen. „Es ist doch die Frage, ob man Personal, das man wegschickt, schnell zurückkriegen kann.“