WIRTSCHAFT: Auswirkungen von Corona auf die niederländische Wirtschaft

Den Haag, TA/NRC/VK, 15. April 2020

Durch den Lockdown in vielen Ländern wird die Wirtschaft der meisten Länder zumindest vorübergehend in eine Rezession gehen. So auch in den Niederlanden. Vor allem die Gastronomie oder der Kultursektor sind schwer betroffen, aber auch an anderen Wirtschaftszweigen geht die Krise nicht spurlos vorüber.

Laut Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds wird die niederländische Wirtschaft durch die Coronakrise um 7,5 Prozent schrumpfen. Damit sind die Niederlande deutlich schwerer betroffen als andere Länder. Durchschnittlich ist mit einer weltweiten Rezession von 3 Prozent zu rechnen. Dabei sind diese Schätzungen jedoch sehr stark abhängig von den nun anstehenden Maßnahmen vieler Länder und der Frage, ob der Lockdown noch weiter verlängert werden wird. So würde sich die Weltwirtschaft im Jahr 2021 wieder um durchschnittlich 5,8 Prozent wachsen, wenn das Virus in der zweiten Hälfte dieses Jahres verschwinden würde, schreibt die NOS.

Es gibt wenig niederländische Wirtschaftszweige, die nicht die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Allein am vergangenen Mittwoch erklärten 45 Unternehmen ihre Zahlungsunfähigkeit. Das sind genau so viele wie in der Woche davor zusammengezählt. 3,5 Unternehmen gingen pro Woche durchschnittlich in den ersten 13 Wochen dieses Jahres bankrott.

Dabei ging es der niederländischen Wirtschaft laut der Tageszeitung NRC Handelsblad vor der Coronakrise noch sehr gut. Die Anzahl der Bankrotts war in den letzten Jahren niedrig und stabil, zeigt sich aus Zahlen der Zentralen Statistikbehörde CBS. Auch in der Gastronomie und im Kultursektor, die nach derzeitigen Erwartungen besonders schwer von der Krise getroffen sein werden, waren die Bankrotts sehr niedrig. Ebenso werden die Events- und Festivalbranche, die traditionellerweise in den Sommermonaten ein wichtiger Arbeitgeber sind, die Folgen des Lockdowns zu spüren bekommen. Sämtliche Veranstaltungen und Festivals der kommenden Zeit sind in den Niederlanden, wie auch in anderen Ländern, abgesagt.

Besorgniserregend ist auch, dass ein bankrottes Unternehmen in der Regel auch andere Unternehmen beeinflusst. So wirkt sich ein Gastronomiebetrieb, der aus mangelnder Liquidität schließen muss, auch immer auf seine Zulieferer oder Vermieter aus.

Unter anderem von niederländischen Rechtsgelehrten wird bereits seit längerem eine Anpassung oder Überarbeitung der faillissementswetgeving, sprich der Gesetzgebung rund um Bankrotts, gefordert. Ihrer Meinung nach funktioniere das derzeitige System nicht, da beinahe alle Betriebe, die um einen Aufschub von Zahlungen fragen, letztendlich dann trotzdem nicht mehr zahlungsfähig sind. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, wäre beispielsweise eine Art „Zwangserlass“ von Schulden.

Seit etwas mehr als einer Woche können niederländische Unternehmen oder Betriebe eine Notunterstützung beantragen, die mittlerweile auch an 66.000 Unternehmen ausgezahlt wurde. Nichtsdestotrotz dämpfte Minister Wouter Koolmees (D66) die Hoffnungen vieler Betriebe. Kein Hilfspaket der Regierung könne die Folgen der Coronakrise zu 100 Prozent abfangen. Es lässt sich also nicht verhindern, dass Menschen ihren Job verlieren oder manche Unternehmen bankrottgehen. Daher appellierte er auch an betroffene Betriebe, selbst nach Lösungsansätzen zu suchen. Trotzdem werde die Regierung natürlich alles tun, um den einzelnen Wirtschaftszweigen so gut wie möglich zu helfen.

Die Zukunft vieler Betriebe ist sicherlich auch abhängig von der Länge des derzeitigen Lockdowns, über dessen Folgen bei Ökonomen Uneinigkeit herrscht. Während manche Wirtschaftswissenschaftler einen harten Lockdown als besonders schädlich für die Wirtschaft ansehen, zeigen andere anhand von historischen Beispielen aus Zeiten der Spanischen Grippe, dass Regionen mit strengen Maßnahmen letztendlich besser wegkämen als jene ohne strenge Regelungen. Letztendlich ist die niederländische Wirtschaft in Zeiten der Globalisierungen auch immer abhängig von anderen Ländern, sei es innerhalb oder außerhalb der EU.