GESELLSCHAFT: Mehr Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt durch die Coronakrise

Amsterdam, TA/NRC/VK, 15. April 2020

In niederländischen Großstädten steht Airbnb seit längerem in der Kritik, da Vermieter ihre Wohnungen nur an Touristen vermieten und daher auf dem regulären Wohnungsmarkt Wohnraum fehlt. Da durch die derzeitige Coronakrise die Anzahl der Touristen gegen Null läuft, kommen immer mehr ehemalige Airbnb-Wohnungen auch auf den freien Wohnungsmarkt. Zu einer langfristigen Entspannung wird dies vermutlich jedoch nicht führen.

Die Tageszeitung NRC Handelsblad beobachtet, dass die Anzahl der Wohnungen, die auf der größten niederländischen Vermietungsplattform Pararius angeboten werden, seit rund zwei Wochen deutlich. Dabei handele es sich um Wohnungen, die zuvor fast ausschließlich über Plattformen wie Airbnb an Touristen oder Expats vermietet wurden. Rund 20.000 Wohnungen werden jährlich allein in Amsterdam auf diese Art und Weise für einen kurzen Zeitraum vermietet. Vermieter können mit einem solchen Modell häufig mehr Geld verdienen, da die niederländische Hauptstadt im vergangenen Jahr die höchsten Preise für Airbnb-Wohnungen in ganz Europa hatte.

Viele der nun angebotenen Wohnungen sind bereits möbliert und werden häufig für mehrere Monate oder „flexibel“ zur Miete angeboten. In Amsterdam darf eine Wohnung eigentlich nur für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten vermietet werden, ansonsten braucht man eine sogenannte Short-Stay-Erlaubnis. Es stellt sich laut dem NRC Handelsblad jedoch die Frage, ob die Vermieter sich nun an diese Regelung halten werden.

Normalerweise würde ein größeres Angebot auf dem Wohnungsmarkt für eine Entspannung und somit auch eine Senkung des Mietpreises sorgen. Es sei jedoch zurzeit noch nicht sicher, ob dieser positive Effekt auch in der derzeitigen Lage einsetzen wird, da die meisten Wohnungen vermutlich nur übergangsweise auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten werden, bis die Coronakrise überstanden ist und die Touristenströme in die Niederlande zurückkehren. Um die Lage auf dem Wohnungsmarkt nachhaltig zu verändern, müssten die Wohnungen dauerhaft auch für Niederländer zur Vermietung angeboten werden.

Auch in anderen niederländischen Städten führen Plattformen wie Airbnb zu einer Wohnungsnot. In Den Haag sind solche Vermietungen bis Ende 2020 komplett verboten worden. Damit entschied sich die Stadt auch gegen ein Lizenzsystem, wie es beispielsweise von Amsterdam gehandhabt wird, um Vermietungen über Plattformen transparenter zu machen. Das sei jedoch zu teuer und zu aufwendig, da man erwarte, dass 2021 sowieso neue Gesetze zur Miete oder Vermietung verabschiedet werden.