BILDUNG: Universitäten setzen auf Digitalisierung

Den Haag, TA/NRC/VK, 08. April 2020

Aufgrund der Coronakrise setzen die niederländischen Universitäten stark auf die Digitalisierung der Lehre. Bereits Ende März haben die Universitäten in Leiden und Maastricht bekannt gegeben, dass sie Seminare und Vorlesungen bis September nur noch online anbieten werden. Auch Klausuren werden an vielen Unis in den Niederlanden online stattfinden. Das öffnet jedoch Tür und Tor für Täuschungsversuche. Von Seiten der Universitäten gibt es dafür eine Lösung, die jedoch stark in die Privatsphäre der Prüflinge eingreift.

Genau wie Grund- oder weiterführende Schulen sind auch die Universitäten der Niederlande zurzeit wegen der Coronakrise geschlossen, um die Ausbreitung des Covid-19-Virus‘ so weit wie möglich zu verlangsamen. In Leiden und Maastricht stellen die universitären Einrichtungen ihre Lehrveranstaltung bis September auf „Online-Lehre“ um. Das soll in den kommenden Monaten der Leitfaden sein. Falls die Maßnahmen der Regierung zeitnah wieder gelockert werden, wollen diese beiden Universitäten unter Umständen auch wieder Praktika anbieten, bei denen die Studierenden vor Ort anwesend sein müssen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Laborpraktika für wissenschaftlich orientierte Studiengänge, wie Medizin oder Physik.

Diese extreme Form der Digitalisierung fordert jedoch nicht nur großen organisatorischen und technischen Einsatz, sie könnte auch Betrugsversuche einfacher machen. Da auch Klausuren oder Prüfungen online abgelegt werden sollen, könnte ein Studierender beispielsweise eine andere Person dafür beauftragen. Laut der Tageszeitung NRC Handelsblad zirkulieren zurzeit tatsächlich viele Suchanfragen in Studierendenkreisen, ob nicht jemand das Ablegen einer Klausur übernehmen will.

Studierende könnten auch einfach nach Antworten googlen oder aber ihr Lehrbuch neben sich aufgeschlagen haben. Um solche Betrugsversuche zu verhindern, experimentieren manche Unis zurzeit mit Überwachungssoftware, die für den Zeitraum der Prüfung die Kontrolle über den Laptop oder PC des Studierenden übernimmt. Dabei werden die Prüflinge dann von der Webcam ihres Endgerätes gefilmt. Gleichzeitig verhindert die Überwachungssoftware, dass der Studierende nach Antworten im Internet suchen kann.

Bisher war man in den Niederlanden sehr zögerlich, was den Einsatz solcher Software angeht, da es sich gleichzeitig natürlich um ein starkes Eindringen in die Privatsphäre der Prüflinge handelt. Rechtlich gesehen ist der Einsatz jedoch gestattet, wenn sich die Universitäten an bestimmte Vorgaben halten und es keine geeignete Alternative gibt.

Bei rund 25 der 600 Klausuren an der TU Delft wird eine solche Software eingesetzt, schreibt das NRC Handelsblad. Dabei bekämen die Studierenden vorab Tipps von der Uni, wie sie ihre Privatsphäre bestmöglich schützen können. So soll man dafür sorgen, dass sein Zimmer ordentlich aufgeräumt ist und keine religiösen Symbole zu sehen sind.

Laut Alex Tess Rutten vom Landesweiten Studentengewerkschaft LSVb gibt es jedoch viele Meldungen von Studierenden, die sich trotzdem nicht wohl dabei fühlen, in ihren eigenen vier Wänden gefilmt zu werden. Laut dem LSVb sollte man daher alternative Prüfungsmodelle für diejenigen entwickeln, die sich nicht aufzeichnen lassen wollen.

Auch in anderen Bereichen des Bildungssektors sind die Auswirkungen von Corona deutlich zu spüren. Während die Abiturprüfungen in Deutschland stattfinden werden, sind die zentralen Abschlussprüfungen (niederländisch centraal examens) an niederländischen Schulen abgesagt worden (NiederlandeNet berichtete).