GESUNDHEIT: Niederländische Coronapatienten auf deutschen Intensivstationen

Den Haag, TA/NOS/NRC/VK/Trouw, 07. April 2020

In den Medien wurde die Haltung vieler europäischer Mitgliedsstaaten in den Anfangswochen der Coronapandemie kontrovers diskutiert. Viele Beobachter meinten, dass sich in der Krise vor allem zeigte, dass jedes Land zuallererst seine eigenen Interessen vertrete und die europäische Zusammenarbeit in Zeiten von Corona kriselte. Allerdings gibt es auch andere Zeichen, die das Gegenteil vermuten lassen: So ließen 68 Krankenhäuser des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen auf Anfrage wissen, dass 107 Betten auf Intensivstationen für Patienten aus den Niederlanden bereitgestellt werden können.

In den Niederlanden liegen laut den Tageszeitungen NRC Handelsblad und de Volkskrant neben den „normalen“ 500 bis 600 Personen auch 1.409 Patienten mit Corona auf Intensivstationen (Stand: 06.04.2020). Dabei steigt die Zahl der mit Corona infizierten Personen weiterhin. Das übt starken Druck auf niederländische Krankenhäuser und das Gesundheitssystem des Landes aus, da sich gezeigt hat, dass die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten auf Intensivstationen knapp werden könnten.

Nachdem der Mangel an Intensivbetten in der vergangenen Woche im niederländischen Parlament diskutiert und besprochen wurde (NiederlandeNet berichtete), unternehmen Krankenhäuser alles Erdenkliche, um die Anzahl von Betten zu erhöhen. Mehr als 2.400 Betten zur Verfügung zu stellen, sei jedoch nicht möglich.

Die Tageszeitung Trouw schrieb nun, dass in 68 nordrhein-westfälischen Krankenhäusern für 107 niederländische Coronapatienten ein Bett zur Verfügung stünde. Deutschland verfügt durchschnittlich mit 34 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner über deutlich mehr Kapazitäten als ihr westliches Nachbarland, wo nur sieben Betten pro 100.000 Einwohner bereitstehen. Laut dem nordrein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) liegen schon jetzt 37 Niederländer auf deutschen Intensivstationen.

Durchschnittlich wurden in der vergangenen Woche rund 100 neue Patienten mit Corona auf niederländische Intensivstationen aufgenommen. In den letzten Tagen hat sich diese Zahl auf 50 bis 60 Neuaufnahmen reduziert, sodass die Kapazität der niederländischen Intensivstationen nicht so schnell überschritten werden könnte, wie gefürchtet.

Sollte die Anzahl von Patienten auf Intensivstationen jedoch die Kapazitäten übersteigen, dann muss laut dem NRC Handelsblad zu harten Maßnahmen gegriffen werden. Dann müsse täglich entschieden werden, ob die Behandlung eines Patienten auf der Intensivstation noch sinnvoll ist. Wenn diese Maßnahme immer noch zu wenig Betten hergibt, dann müsse auf Basis von „nicht-medizinischen“ Kriterien ausgewählt werden, wer auf der Intensivstation behandelt wird, und wer nicht. Da diese Entscheidung für Ärzte jedoch schwer zu treffen ist, fordern sie von der niederländischen Regierung offizielle Kriterien.
Dabei handelt es sich allerdings nur um ein Worst-Case-Szenario. Durch die Tatsache, dass täglich wieder Patienten als geheilt entlassen werden, und leider auch immer wieder Personen versterben, werden auch immer wieder Betten frei.

Das niederländische Ministerium für Volksgesundheit will jedoch erst einmal prüfen, ob die Anzahl der Betten auf 2.400 ausgebaut werden kann. Auch kann dann immer noch geprüft werden, ob noch mehr Patienten in deutschen Krankenhäusern behandelt werden können.