BILDUNG: Schulen bleiben geschlossen, bis Studie des RIVM Ergebnisse liefert

Den Haag, TA/NOS/NRC, 25. März 2020

Das niederländische Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (deutsch Staatliches Instiut für Volksgesundheit und Umwelt) begann gestern mit einer Studie zur Corona-Ausbreitung in Familien mit Kindern. Dadurch sollen mehr Erkenntnisse über den Verlauf einer Corona-Erkrankung und die Genesung erlangt werden. Dazu will das RIVM einhundert Covid-19-Patienten und deren Familien in der kommenden Zeit begleiten. Bis Ergebnisse feststehen, sollen Schulen vermutlich vorerst geschlossen bleiben. Auch die zentralen Abschlussprüfungen werden nicht stattfinden.

Wie der Name erahnen lässt, ist das RIVM eine für die öffentliche Gesundheit und den Umweltschutz zuständige Behörde in den Niederlanden. Unabhängig von der niederländischen Gesundheitsbehörde führt es eigene Forschungen und Studien durch und ist daher eine wichtige Quelle in wissenschaftlichen Angelegenheiten. Nun könnte es durch seine Studie wichtige Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie liefern.

Die Studie soll viele offenen Fragen rund um eine Covid-19-Infektion beantworten können. Dazu zählt unter anderem die Ausbreitung des Virus‘ innerhalb einer Familie. Es soll geklärt werden, welche Mitglieder wann erkranken, wie schwer die Krankheit verläuft und wie viele Mitglieder einer Familie überhaupt Symptome zeigen. Sobald die Infektion einer Person bekannt ist, will das RIVM der betreffenden Familie einen Hausbesuch abstatten und unter anderem Proben vom Blut und der Nasen- und Rachenschleimhaut entnehmen. Der Infizierte und seine Angehörigen sollen dann einen Monat lang ein Krankheitstagebuch führen, in dem sie für die Wissenschaftler alle Beschwerden festhalten.

Die Studie untersucht dabei bewusst Familien mit Kindern, da bisher noch wenig darüber bekannt ist, welche Rolle sie bei der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus‘ spielen. Die ersten Resultate sollen in frühestens sechs Wochen zur Verfügung stehen.

Vermutlich werden niederländische Schulen, die im Verlauf der Pandemie wie in vielen anderen Ländern auch geschlossen wurden, erst dann wieder geöffnet werden, wenn zuverlässige Ergebnisse aus dieser Studie bereitstehen. Das verkündete zumindest der zuständige Minister Slob (ChristenUnie). Dementsprechend würden die Schulen in den Niederlanden frühestens im Mai wieder öffnen, allerdings sei diese Entscheidung noch nicht definitiv, so Slob.

Während im föderalistischen Deutschland noch Uneinigkeit über die Zukunft der diesjährigen Abiturprüfungen herrscht, sind die zentralen Abschlussprüfungen (ndl. eindexamen) in den Niederlanden gestern definitiv abgesagt worden. Zuvor waren bereits die Abschlussprüfungen an niederländischen Grundschulen ausgesetzt worden (NiederlandeNet berichtete).

Schoolexamen, die ein schuleigener Teil der Abschlussprüfungen sind, werden allerdings weiterhin stattfinden, so Slob. Sie werden jedoch auf die kommenden Monate verteilt, damit das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich gehalten wird. Auf Basis ihrer Noten soll dann bewertet werden, ob ein Schüler den Abschluss bestanden hat, oder nicht.

Wie genau die schoolexamen stattfinden, steht den Schulen selbst frei. So seien auch Prüfungen über Telefon oder Videoanrufe möglich. Mittlerweile wurde auch beschlossen, die Anmeldefrist für Fachhochschulen und Universitäten zu verschieben, damit Schüler die Möglichkeit haben, einen geeigneten Studiengang zu wählen. Genauere Regelungen sollen aber noch bekannt gemacht werden.

Zuletzt wurden die zentralen Abschlussprüfungen 1945 im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt. Damals spielte auch das „Verhalten“ der Schüler während der Besetzungszeit eine Rolle dafür, ob sie den Abschluss erlangt haben.

Mehr zum genauen Aufbau des Bildungssystem in den Niederlanden in unserem Dossier Das niederländische Schulsystem.