VERKEHR: Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h auf niederländischen Autobahnen nun Realität

Den Haag, TA/NOS/VK/NRC, 18. März 2020

Zur Reduzierung des Stickstoffausstoßes ist in den Niederlanden eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h beschlossen worden. Durch soll so viel Stickstoff eingespart werden, dass beispielsweise stillgelegte Bauprojekte weiter durchgeführt werden können.

Wer ab Donnerstagabend letzter Woche auf niederländischen Autobahnen unterwegs war, musste besonders gut auf die Verkehrsschilder achten, da an manchen Abschnitten bereits die neue Begrenzung von 100 km/h galt, während man anderswo noch wie zuvor bis zu 130 km/h fahren durfte. Die Rijkwaterstaat (deutsch Amt für Wasserwirtschaft) begann am Donnerstagabend allmählich damit, noch fehlende Schilder entlang der niederländischen Autobahnen auszutauschen. Sobald das neue Schild angebracht worden ist, galt ab diesem Moment die neue Geschwindigkeitsbegrenzung, auch wenn Navigationssysteme oder Apps die neuen Begrenzungen noch nicht angezeigt haben.

Rund 4.000 neue oder angepasste Straßenschilder mussten dafür zusammen mit 4.000 Zusatzschildern ausgetauscht oder angebracht werden. 80 Prozent der neuen Schilder waren dabei bereits im Vorfeld angebracht und abgeklebt worden, sodass sie nur noch enthüllt werden müsse. Die verbleibenden Schilder wurden ab Donnerstagabend durch die Rijkwaterstaat getauscht.

Am deutlichsten wird sich der Unterschied im Tempolimit dabei im Norden, Süden und Osten der Niederlande bemerkbar machen, wo man bisher noch am häufigsten 130 km/h fahren durfte. In der dicht besiedelten Randstad hingegen wird sich der Unterschied kaum bemerkbar machen, da dort bereits zuvor eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h – an manchen Abschnitten sogar von 80 km/h – galt. Die Tageszeitung de Volkskrant gab an, dass man für eine Strecke von 100 Kilometern nun rund 14 Minuten länger brauchen wird, als zuvor. Zumindest theoretisch, denn in der Praxis werden diese Werte meistens durch verschiedene Faktoren sowieso nicht erreicht.

Zwar führt ein niedrigeres Tempolimit, so de Volkskrant weiter, in der Praxis nur zu einer marginalen Einsparung von Stickstoff, jedoch sei dies die einfachste und am schnellsten umsetzbare Maßnahme in der Stickstoffkrise gewesen. Insgesamt soll durch verschiedene Maßnahmen so viel eingespart werden, dass der Bau von 75.000 neuen Wohnungen, der zeitweise unterbrochen werden musste, wieder aufgenommen werden kann.
Es wird jedoch nicht nur weniger Stickstoff ausgestoßen, auch würden Autos bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h effizienter fahren und Kraftstoff optimal verbrauchen. Dadurch sparen Autofahrer nicht nur Geld, es wird auch weniger Feinstaub und CO2 in die Luft abgegeben. Letztendlich erhöht eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit auch nachweislich die Sicherheit auf Autobahnen.

Die Tageszeitung NRC Handelsblad untersuchte seit Einführung der neuen Geschwindigkeit das Fahrverhalten von Autofahrern in den Niederlanden. Aus ihren Zahlen geht hervor, dass sich die meisten Fahrer an die neue Begrenzung halten, sie jedoch im vollen Umfang nutzen. 30 Prozent der Autofahrer fuhr „ein bisschen zu schnell“ und erreichte Geschwindigkeiten zwischen 100 und 110 km/h. Lediglich 5 % von überschritten die 110 km/h. Kurz vor 19 Uhr, wenn das Tempolimit wieder auf 120 oder 130 km/h steigt, fuhren bereits 14 % - etwas zu früh - wieder schneller.