GESUNDHEIT: Auf niederländischen Intensivstationen viele junge Corona-Patienten

Den Haag, TA/NOS/VK/NRC, 17. März 2020

96 Patienten liegen wegen des neuartigen Corona-Virus derzeit auf niederländischen Intensivstationen. Das überraschende ist, dass entgegen der allgemeinen Erwartung ungefähr die Hälfte von ihnen keine Senioren sind, sondern jünger als 50 Jahre. Vermutet wird, dass viele von ihnen sich bei Karnevalsfestivitäten in Brabant angesteckt haben.

Im Allgemeinen sind vor allem Senioren oder Personen mit Vorerkrankungen besonders schwer vom Covid-19-Virus betroffen, so Diederik Gommers, Vorsitzender der Niederländischen Vereinigung für Intensivpflege, in der NOS. „Ältere Menschen werden schneller krank. Wenn man andere Krankheiten hat, läuft man am höchsten Risiko, auf der Intensivstation zu landen: beispielsweise ein schlechtes Herz, Diabetes oder hoher Blutdruck.“

Gommers beobachtet jedoch auch bei manchen gesunden, jungen Patienten eine starke Reaktion auf eine Infektion mit Covid-19. Das liege an einer Überreaktion des Körpers, wodurch die Betroffenen eine schwere Lungenentzündung bekommen würden.

Die genauen Ursachen für diese starke Reaktion des Körpers ist noch nicht bekannt, jedoch seien diese Personen zwingend auf den Einsatz einer Beatmungsmaschine angewiesen, da sie körperlich erschöpft sind und es nicht mehr schaffen, ausreichend aus eigener Kraft zu atmen. Das größte Problem für die Patienten sei, dass in Falle einer Covid-19-Infektion oft sehr lange künstlich beatmet werden müsse. Von Fällen aus China und Italien sei bekannt, dass man Patienten teilweise bis zu 4 Wochen lang beatmen müsse.

Bei einem rapiden Anstieg von Neuinfektionen würde die Möglichkeit bestehen, dass niederländischen Intensivstationen zu wenig Beatmungsmaschinen zur Verfügung stünden. Daher schaue man laut Gommers derzeit, ob man zusätzliche Maschinen beschaffen könne. Vom niederländischen Militär werden beispielsweise 80 Maschinen bereitgestellt.

Nicht nur an Beatmungsmaschinen wird es möglicherweise in der kommenden Zeit mangeln. Laut den Tageszeitungen NRC Handelsblad und de Volkskrant gibt es derzeit auch keinen ausreichenden Vorrat an Mundschutzen für Ärzte und Pflegepersonal. Das NRC Handelsblad berichtet, dass das Erasmus MC in Rotterdam selbst an einem normalen Tag rund 2.000 Mundschutze verbraucht. Für Nicht-Krisenzeiten sei immer ein ausreichend großer Vorrat vorhanden, jedoch könnte die Zahl der benötigten Mundschutze durch die Corona-Pandemie deutlich ansteigen. Ein Team des Ministeriums für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport führt Verhandlungen mit Firmen und sogar Ländern, um ausreichend Mundschutze zur Verfügung stellen zu können. Niederländische Hausärzte improvisieren derzeit und bestellen mehrere Patienten zeitgleich in ihre Praxis. Sie rüsten sich mit der vorhandenen Schutzkleidung und behandeln mehrere Patienten direkt nacheinander. Dadurch muss die Schutzkleidung nicht jedes Mal gewechselt werden.

Doch es gibt auch hoffnungsvollere Meldungen in den niederländischen Medien. De Volkskrant berichtet, dass sich innerhalb weniger Tage 1.750 ehemalige Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen gemeldet haben, um stark belastete Krankenhäuser zu entlasten. Sie meldeten sich auf einen Aufruf von Karin van Montfoort, Dozentin für Krankenpflege. Nun werde eine Art „Notschulung“ entwickelt, um die Freiwilligen auf den aktuellen Stand zu bringen und auf die Hilfe in Krankenhäusern vorzubereiten. Viele von ihnen dürfen eigentlich nicht mehr in diesem Beruf arbeiten, da sie bereits in Rente sind oder zu lange nicht mehr im Fach gearbeitet haben und ihre Registrierung daher erloschen ist. Daher plädierte die Ärzteorganisation KNMG dafür, die Regeln temporär zu lockern, da diese Freiwilligen bei einem plötzlichen Anstieg der Neuinfektionen eine große Hilfe sein können.