GESELLSCHAFT: Syrische Migranten möchten bessere Förderung und angepasste Jobchancen

Den Haag, SW/NOS/VK/Trouw, 12. März 2020

Aus einer jüngst veröffentlichten Untersuchung geht hervor, inwieweit die Integration von geflüchteten Syrern in den Niederlanden bisher geglückt ist. Es wird deutlich, dass der Spracherwerb und der schnelle Einstieg in den Arbeitsmarkt zu Komplikationen führen, aber auch das fehlende Mitspracherecht bei der Wohnortverteilung als Problem empfunden wird.


Mitarbeiter des wissenschaftlichen Instituts Sociaal en Cultureel Planbureau (SCP) haben im Vorfeld mit 49 verschiedenen Immigranten, die zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für fünf Jahre erhalten haben, über die Partizipation in der niederländischen Gesellschaft gesprochen. Dabei waren Hochgebildete in dieser Studie leicht überrepräsentiert.


Der Erwerb der Sprache ist eine der Bedingungen für eine Einbürgerung. Deshalb sind die Migranten angehalten, selbstständig einen entsprechenden Sprachkurs zu belegen, was allerdings nicht selten zu Schwierigkeiten, ob des schwer zu durchdringenden Angebots, und anschließend zu Ernüchterung führt. Laut den Befragten gäbe es zwischen den Kursen teils beträchtliche Unterschiede. So würden die Lehrkräfte in ihrer Kompetenz variieren und das Niveau innerhalb der Lehrgruppen, bei zu wenigen Unterrichtsstunden, oft sehr unterschiedlich sein. Davon losgelöst stellen sich die Geflüchteten die Frage, ob das geforderte Sprachniveau A2, das für die Einbürgerung vorausgesetzt wird, nicht zu wenig Sprachkenntnis bedeutet. Die dazugehörigen Fähigkeiten, nämlich einfache Texte lesen und in kurzen Gesprächen Antworten geben können, würden auf der Arbeit nicht ausreichen.


Auch der Übergang zu einer geeigneten Arbeitsstelle verlaufe oft nicht reibungslos. Neben dem Wunsch, bereits während der Sprachausbildung arbeiten zu dürfen, fühlen sich einige, vor allem höhergebildete Syrer, nicht richtig wertgeschätzt. Dieses Gefühl resultiere aus den Ihnen angebotenen Jobs im Gast- oder Reinigungsgewerbe, die nicht ihren Qualifikationen entsprächen, die sie aber aufgrund fehlender oder nicht anerkannter Diplome erhalten. Hinzu kommt der Eindruck, dass Syrien von den Niederländern gemeinhin als unterentwickeltes Land gesehen werde.


Ein weiteres mit der beruflichen Karriere verbundenes Hindernis sei das geringe bis nicht vorhandene Mitspracherecht bei der Wohnortzuteilung nach bestandenem Asylverfahren. Besonders hochgebildete Migranten würden gerne in der Nähe einer Hochschule wohnen oder den Wohnort nach der Lage der Arbeit wählen, in der sie zuletzt in ihrem Heimatland tätig waren. Wo sie am Ende landen, würde stark ihre weitere Begleitung, wie die finanzielle Unterstützung bei der Wohnungseinrichtung, beeinflussen, sagt eine der Forscherinnen und Forscher, Ilse van Liempt und fügt an: „Es ist schwierig, der Wohnortzuteilung zu entkommen. Das gelingt eigentlich nur durch einen Wohnungstausch“.


Bereits 2017 erkannte die Regierung die genannten Probleme, jedoch hat sich an den Gegebenheiten bisher nichts geändert. Der zuständige Minister Koolmees arbeitete in den letzten Jahren an einem neuen Einbürgerungsgesetz, wodurch unter anderem das Sprachniveau von A2 zu B1 um eine Stufe steigen soll und die Gemeinden für den Unterricht verantwortlich gemacht werden könnten. Das mit weiteren speziellen Anpassungen gespickte Gesetz soll Anfang des nächsten Jahres eingeführt werden.