MONARCHIE: Willem-Alexander entschuldigt sich erstmals für die Gewalttaten von Niederländern in Indonesien

Jakarta, SW/NOS/NRC/VK, 11. März 2020

König Willem-Alexander hat bei seinem Staatsbesuch in Indonesien für einen historischen Schritt in der bilateralen politisch-psychologischen Beziehung gesorgt. Er entschuldigte sich am Dienstagmorgen in einer Erklärung für die Gewalttaten, die nach der Unabhängigkeitserklärung Indonesiens 1945 von den Niederländern ausgeübt wurden – als erstes Staatsoberhaupt der ehemaligen Kolonialmacht.


Seine Rede begann der Oranier mit Glückwünschen für das bald 75-jährige unabhängige Bestehen des südostasiatischen Staats. Auch diese Geste ist nicht als Selbstverständlichkeit einzuordnen– immerhin wird in den Niederlanden das Unabhängigkeitsdatum, de jure, noch immer im Jahr 1949 verortet. Mit der Gratulation bekräftigte der Royal jedoch eine Aussage aus 2005 vom damaligen Außenminister Bot, der damals bereits eine politische und moralische Anerkennung des Datums erklärte.


Darauffolgend gab Willem-Alexander zu verstehen: „Für die Gewaltentgleisungen auf niederländischer Seite in diesen Jahren will ich, […], mein Bedauern aussprechen und mich entschuldigen. Dies mache ich in der vollen Erkenntnis, dass der Schmerz und das Leid der betroffenen Familien Generationen lang fühlbar bleibt“. Auch hierbei bezog er sich auf vorhergehende Stellungnahmen von Regierungsvertretern, wie dem Ministerpräsidenten Mark Rutte.


Die ausgesprochenen Worte sind nichtsdestotrotz ein Novum in der Nachkriegsgeschichte – zum ersten Mal bekannte sich der König, in seiner Funktion als Staatsoberhaupt, zu den militärischen Gräueltaten der Vorfahren. Bereits bei dem letzten Staatsbesuch 1995 durch Königin Beatrix war eine solche Haltung Gegenstand von Diskussionen. Die restliche Regierung, vor allem in Person von Wim Kok, hatte zu dieser Zeit allerdings politische Bedenken und gab ihr Veto. Die veränderte Denkweise erfolge vor allem aus dem Generationswechsel der Handlungsträger und der verminderten Angst vor finanziellen Folgen durch Schadensersatzforderungen, so die Historikerin Esther Captain gegenüber der NOS.


Die Bedenken Koks resultierten aus der Furcht vor dem negativen Echo von Veteranen und indischen Niederländern, die sich selbst zu den Opfern der kriegerischen Auseinandersetzungen zählen. Nach den jüngsten Ereignissen sehen sie die Handlung Willem-Alexanders kritisch. Die Föderation Indonesische Niederländer lässt verlauten, dass sie „unangenehm überrascht und tief getroffen“ sei. Sie beurteilt die Entschuldigung als „unangepasst“, weil dabei das Leid von indonesischen Niederländern übergangen werde, die schwer unter dem „Terror“ gelitten hätten. Schließlich gab die Föderation an, dass der König, ihrer Meinung nach, eine momentan laufende Untersuchung über die vergangenen Geschehnisse hätte abwarten müssen.


Der Besuch sorgte bereits im Vorfeld für Aufmerksamkeit. So forderten Parteivertreter der Parteien Socialistische Partij (SP) und GroenLinks in der Tageszeitung de Volkskrant eine Abbitte des Royals. Trotz ihrer Zufriedenheit über den für sie erfreulichen Ablauf, stellen sich Einzelne nach wie vor die Frage, warum eine explizite Entschuldigung für die gesamte Kolonialzeit nicht erfolgt sei. Die allgemeine Zustimmung zu der Haltung des Königs wird darüber hinaus von dem Vorsitzenden des Forum voor Democratie (FvD), Thierry Baudet, durchbrochen: „Als Nachkomme von stolzen indonesischen Niederländern schäme ich mich für die niederländische Regierung, die unsere Geschichte verkennt und die gegen unsere Bevölkerungsgruppe verübten Verbrechen ignoriert“.


Eine Reaktion des indonesischen Präsidenten blieb zunächst aus, da seine Rede vor der des niederländischen Monarchen erfolgte. In den landeseigenen Medien verlor das Thema, laut de Volkskrant, im Folgenden schnell an Brisanz.