MH17: Prozess in den Niederlanden beginnt

JCS Schiphol, TA/NRC/NOS, 10. März 2020

Am gestrigen Montag begann in den Niederlanden der Prozess um den Absturz des Fluges MH17 von Malaysia Airlines, bei dem 296 Personen – darunter 196 Niederländer - ums Leben kamen. Die Maschine wurde von einer Rakete des russischen Militärs getroffen. Nun begann der Prozess gegen vier Angeklagte im Justizkomplex bei Schiphol.

Der Prozess wird gegen vier russische und einen ukrainischen Staatsbürger gehalten, die seit letztem Jahr offiziell als Verdächtige betrachtet werden. Sie sollen damals ein Flugabwehrraketensystem erst ins Kampfgebiet und dann dort entsprechend in Position gebracht haben, um ein Flugzeug abzuschießen. Daher werden sie des Mordes an 298 Menschen beschuldigt.

Beim gestrigen Auftakt des Prozesses ging es allerdings noch nicht um Inhalte, sondern vielmehr um Organisation und Bestandsaufnahmen. So wurden zu Beginn die Namen aller Todesopfer vorgelesen. Auch wurde geklärt, wer erschienen ist, ob die Anwälte ausreichende Befugnisse haben und ob alle Vorladungen ausgestellt wurden. Von den angeklagten vier Männern erschien jedoch niemand selbst zum ersten Prozesstag. Nur einer von ihnen machte sich darüber hinaus die Mühe, niederländische Anwälte zu engagieren, die ihn vor Gericht vertreten sollen.

Selbst wenn die vier Männer verurteilt werden, werden sie ihre Strafe vermutlich nicht antreten, da sie in Russland wohnen und der russische Staat sie nicht ausliefern will. Darüber hinaus hat Russland die Beweisen und Schlussfolgerungen des Joint Investigation Team, das sich mit der Aufklärung des Abschusses befasste, konsequent zurückgewiesen und verneint, etwas mit dem Unglück zu tun zu haben. Laut der NOS hat Russland nicht nur versucht, durch Fake News Verwirrung zu stiften, sondern wollte auch mit Hilfe seines Geheimdienstes die Ermittlungen auszuspionieren und beeinflussen.

Der Prozess wird vermutlich Jahre dauern und um Inhalte wird es frühestens im Herbst dieses Jahres gehen. Das Kabinett hat für den Prozess 54 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Mehr zu dem Unglück in unserem Dossier Flug MH17 - Absturz und Folgen.