KULTUR: Boekenweek 2020

Amsterdam, TA/NRC/Boekenweek, 10. März 2020

In den Niederlanden findet zurzeit die 85. Boekenweek statt. Diese Woche steht also ganz im Zeichen des Buches und der Literatur. Am 6. März wurde die Boekenweek bereits traditionell mit dem Bücherball eröffnet. Innerhalb dieser Woche bekommt man ab einem Einkaufswert von 15 € in niederländischen Buchhandlungen kostenlos das Boekenweekgeschenk dazu, das in diesem Jahr von Annejet van der Zijl geschrieben wurde. Der Boekenweek-Essay, den man für 3,75 € kaufen kann, wurde von Özcan Akyol verfasst. Bis einschließlich Sonntag kann man mit dem Boekenweekgeschenk außerdem in den gesamten Niederlanden kostenlos Bahn fahren.

Seit 1932 findet die Boekenweek einmal im Jahr in den Niederlanden statt und wird von der Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek (deutsch „Stiftung Kollektive Werbung für das Niederländische Buch“) organisiert. Seit 1974 bekommen die Boekenweken darüber hinaus in jedem Jahr ein Thema. In diesem Jahr geht es um „Rebellen und Querdenker“, da Lesen zum Nachdenken anrege und Verständnis für andere Personen stimuliere. Daher sei es von lebenswichtigem Interesse für unsere Gesellschaft, dass Schriftsteller und Schriftstellerinnen durch ihre Texte Tabus brechen und gegen den Strom anschwimmen. Unser Denken sei schon immer von den „Rebellen“ der Literatur beeinflusst worden, indem uns Autoren und Autorinnen einen Spiegel vorgehalten und uns zum Nachdenken über uns selbst und andere angeregt haben.

Annejet van der Zijl gehört mit ihren Bestsellern Sonny Boy (dt.: Sonny Boy. Eine Liebe im holländischen Widerstand, übersetzt von Mirjam Madlung) oder Bernhard zu einer der meistgelesenen Autorinnen der Niederlande. Für ihr Gesamtwerk, das größtenteils aus nichtfiktionaler Literatur besteht, empfing sie unter anderem den Gouden-Ganzenveer-Preis. Für die Boekenweek 2020 schrieb sie das Geschenk Leon & Juliette, worin sie die Geschichte eines Abenteurers aus dem niederländischen Westland rekonstruiert, der im 19. Jahrhundert eine dunkelhäutige junge Frau aus dem amerikanischen Charleston freikauft.

Özcan Akyol ist Schriftsteller und Kolumnist und debütierte 2012 mit Eus, einem halb-autobiografischen „Schelmenroman“, der wegen seiner groben Ausdrucksweise für viel Aufsehen sorgte. 2016 erschien sein zweiter Roman Turis, der für ihn den literarischen Durchbruch in den Niederlanden bedeutete. Sein Essay zur diesjährigen Boekenweek trägt den Titel Generaal zonder leger (deutsch General ohne Armee) und handelt von der - Akyol zufolge - immer stärker werdenden Gleichgestimmtheit der niederländischen Literatur. Schriftsteller und Schriftstellerinnen würden sich immer weniger aus ihrem eigenen Kokon und ihrem eigenen sozialen Milieu herausbewegen, so Akyol. In seinem Essay geht er der Ursache dieser Entwicklung auf den Grund.