GESELLSCHAFT: Formel 1-Teams werden nicht über naturgeschütztes Strandgebiet zum Niederlande-Grand Prix fahren

Zandvoort, SW/NOS/NRC/VK, 05. März 2020

Ende Februar erklärten sich die Gemeinderäte des betroffenen Gebiets westlich von Amsterdam noch einverstanden, nun verzichten die Formel 1-Rennställe selbst auf eine Durchquerung des geschützten Naturgebiets für Vögel und Seehunde. Zuvor hatte sich ein wochenlanger Protest von Bürgern und Umweltorganisationen gegen das Vorhaben gerichtet.


Der Beweggrund für die Beantragung einer Erlaubnis durch die Teams von Red Bull, Mercedes und AlphaTauri-Honda war die Sorge, die Rennstrecke an den Eventtagen nicht rechtzeitig erreichen zu können. Laut dem Veranstalter The Spot Events war der Weg als Teil eines Notfallplans gedacht, in dem eine angespannte Verkehrslage und ein durch schlechtes Wetter nicht möglicher Lufttransport zu Verzögerungen führen würde.


Die Gemeinden Noordwijk und Zandvoort, Start und Ziel der geplanten Route, zeigten sich mit der Idee einverstanden und gaben ihre Zustimmung. Diese war zwar an strenge Bedingungen geknüpft: Die Teams sollten in kleinen Kolonnen, nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde, bei Ebbe und mit angemessenem Abstand zu den Seehunden fahren. Innerhalb kürzester Zeit rief die Entscheidung der Verantwortlichen jedoch Naturschützer, Bürger und politische Oppositionelle auf den Plan. Mehrere Parteien des Zandvoorter Gemeinderats reichten einen Antrag ein, um die Umsetzung doch noch zu verhindern, da das erst ein Jahr bestehende Naturschutzgebiet geschont werden müsse.


Weitere Beanstandungen kamen aus der Richtung der Bewohner. In zwei Unterschriftensammlungen, die laut NOS über 50.000 Mal unterzeichnet wurden, äußerten die Einwohner ihre Unterstützung für den Schutz des Strandreservats und seiner Tiere. Darüber hinaus gab es Bestrebungen, im tatsächlichen Falle eine „Strandblockade“ mit Hilfe einer Menschenkette zu errichten, für die sich bereits mehrere Hundert Personen angemeldet hatten.


Daneben waren Naturschutzorganisationen zum einen über die Signalwirkung besorgt: eine mögliche Durchführung der Aktion hätte einen Präzedenzfall geschaffen, nach dem Wiederholungen von ähnlichen Unternehmungen nicht mehr ausgeschlossen gewesen wäre. Zum anderen sah es vor allem die Stiftung Duinbehoud kritisch, dass die Formel 1-Mannschaften während der Brutsaison der Vögel, zwei Tage eine spürbare Beeinflussung auslösten und nannte dies „komplett unverantwortlich“.


Der „Dutch Grand Prix“ in Zandvoort wird diesen Mai nach über dreißig Jahren wieder ausgetragen. Dessen Organisationskomitee, das nicht in das Vorhaben involviert war, musste in den letzten Wochen eine teils internationale Berichterstattung beobachten, die auch von den Protesten bestimmt war. The Spot Events begründete die Absage nun damit, dass nach neuen Informationen über den Mobilitätsplan des Weltmeisterschaftsrennens, der Notfallplan nicht mehr in Anspruch genommen werden müsse. Die Rennteams werden nun die gewöhnlichen Zufahrtswege nutzen. Parteien und Umweltschützer befürworteten die Entscheidung.