WIRTSCHAFT: Dank Brexit immer mehr Unternehmen in den Niederlanden

Den Haag, TA/NRC/VK/NOS, 19. Februar 2020

Fast vierhundert Unternehmen haben sich 2019 in den Niederlanden niedergelassen. 78 von ihnen kamen extra wegen des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU - so viel, wie noch nie zuvor. Insgesamt haben sich damit nun 140 „Brexitunternehmen“ in den Niederlanden gefestigt. Das geht aus Zahlen des Ministeriums für Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der Netherlands Foreign Investment Agency hervor.

Zu diesen 140 Unternehmen zählen sowohl jene, die direkt aus dem UK in die Niederlande umzogen, als auch jene, die beispielsweise aus Asien kamen sich und wegen des Austrittsreferendums gegen einen Standort im Vereinigten Königreich entschieden. Dabei handelt es sich häufig um IT- oder Chemieunternehmen, wie etwa das Medienunternehmen Discovery und das Pharmaunternehmen Shionogi.

Neben den 140 bereits in die Niederlande umgezogenen Unternehmen führe die NFIA laut der Tageszeitung de Volkskrant noch mit mehr als 400 weiteren Unternehmen Gespräche, da diese eine Niederlassung in den Niederlanden abwögen. Laut der NOS sind die Niederlande vor allem wegen ihrer geografischen Lage und ihrer Mitgliedschaft in der Europäischen Union beliebt. So seien große Teile des EU-Binnenmarktes durch die europäische Infrastruktur innerhalb von maximal 24 Stunden zu erreichen. Auch die Stabilität der Niederlande und die geringe Zahl an Streiktagen sei ein wichtiger Punkt für Unternehmen.

Es wird erwartet, dass die 397 Unternehmen, die sich im letzten Jahr in den Niederlanden niedergelassen haben, innerhalb der nächsten drei Jahre 14.000 Arbeitsplätze schaffen und 4,3 Milliarden Euro investieren werden. Laut Wirtschaftsminister Eric Wiebes seien solche ausländischen Firmen wichtig für die Wirtschaft des Landes. 30 Prozent der privaten Ausgaben in Forschung und Entwicklung seien auf sie zurückzuführen.

Mache Niederländer – vor allem lokale Initiativgruppen in Amsterdam – sehen den Zuzug ausländischer Firmen aber auch kritisch. Sie fürchten weitere Staus sowie steigende Mietpreise in der niederländischen Hauptstadt. Vor ein paar Jahren wurde die Gemeinde kritisiert, dass sie in der britischen Hauptstadt Werbung mit den – im Vergleich zu London – günstigen Mietpreisen in Amsterdam Werbung machten, um Arbeitnehmer anzulocken, die wegen des Brexits umziehen wollten.